Filmkritik: “Perfect Creature”
Aug 9th, 2007 by Hausmeister
Originaltitel: Perfect Creature
Herkunftsland/Jahr: Neuseeland/England, 2006
Länge: 90 Minuten
Kinostart: 16. August 2007
Regie: Glenn Standring
Drehbuch: Glenn Standring
Darsteller: Dougray Scott, Saffron Burrows, Leo Gregory, Scott Willis
Genre: Horror
Für Freunde von: Wächter der Nacht, Underworld, Blade
Inhalt:
Vampirfilm mal anders: anstatt sich wie üblich in den dunklen Ecken der Welt zu verstecken und nur zum Stillen des Blutdurstes aus dem Verschlag zu kommen, sind in diesem Film die Vampire – entstanden durch eine evolutionäre Genmutation – voll in die Gesellschaft integriert. Das liegt vor allem an ihrem artenuntypischen Selbstverständnis: die Vampire haben eine Art Quasi-Religion namens „Die Bruderschaft“ gegründet, die zum Ziel hat die Normalsterblichen zu beschützen. Dies tun sie unter anderem dadurch, dass sie einen Grippe-Impfstoff produzieren, gegen einen von Menschenhand erzeugten Influenza-Erreger, der schon Millionen dahingerafft hat. Die Vampire sind hier vom sonst üblichen Blutsauger-Image zu einem anbetungswürdigen Hoffnungsbringer aufgestiegen. Und da die „Brüder“ mit ihrem eigenen Blut auch böseste Krankheiten heilen können, geben die Sterblichen während der Gottesdienste Blutspenden anstatt schnöden Mammon für den Klingelbeutel.
Doch die Bruderschaft steht vor einem Problem: es werden keine Kinder mehr mit dem Gendefekt geboren – Vampire sind vom Aussterben bedroht. Edgar, einer der geistigen Führer, experimentiert mit gefährlichen Viren, um Frauen wieder fruchtbar zu machen. Er infiziert sich aus Versehen selbst mit einem Virus, der aus dem Gutmenschen eine egoistische, blutrünstige Bestie macht. Sein Bruder Silus macht sich gemeinsam mit der Polizistin Lilly auf die Jagd nach dem flüchtigen Mörder. Wird er nicht schnell gefasst, steht das friedliche Zusammenleben von Menschen und „Brüdern“ am Abgrund.
Kritik:
Zwar hat der Film einige gute Ansätze, macht letztlich aber doch so ziemlich alles falsch, was man falsch machen kann. Regisseur Standring hat es geschafft, mit dem knapp bemessenen Budget von 10 Millionen Dollar eine fantastische Welt zu schaffen, die irgendwo zwischen „From Hell“, „Blade Runner“ und Jules Verne zu liegen scheint, aber leider kann die Story nicht mit der Kulisse mithalten.
Die Idee, um die sonst so verachteten Vampire mal ein religiöses Heilsbringer-Image aufzubauen, in dem die Menschen auch noch gerne ihr Blut spenden, ist ein bemerkenswerter Genrebruch. Nur leider bleibt dem Zuschauer kaum Zeit sich in dieser surrealen Welt auch nur ansatzweise zurechtzufinden. Vermutlich wird der Background bei einem zweiten Sehen offensichtlicher – beim ersten Sehen bleibt der Zuschauer allerdings verwirrt zurück. Manchmal reichen eben ein paar Texteinblendungen vorab nicht aus, um eine so filigran gesponnene Welt zu erklären. Da hat es selbst „Transformers“ besser verstanden, den – dort ziemlich hanebüchenen – Background dem Zuschauer näher zu bringen.
Auch schauspielerisch läuft der Film auf Sparflamme. Highlight ist hier noch Leo Gregory, der als größenwahnsinniger Edgar mit dem Grimassenspiel teilweise stark an Klaus Kinski erinnert – teilweise stark an eine Karikatur desselbigen. Dougray Scott und Saffron Burrows bleiben als Edgars Jäger erschreckend unscheinbar und emotionslos. Gerade der Bruderkonflikt zwischen Edgar und Silus hätte wesentlich dramatischer dargestellt werden können. Und eine derart introvertierte Polizistin als Retterin des Friedens zwischen den Rassen loszuschicken, ist sicherlich auch eher unglücklich. Lediglich die Nebenrolle von Lillys kaltschnäutzigem Assistenten versprüht noch einen gewissen Charme.
Die Effekte in den dünn gesäten Action-Sequenzen sind teils erschreckend, teils erschreckend schlecht gemacht. Einzig die Ästhetik, die durch die Verbindung von „modernen“ Kameraeinstellungen im Kontrast zum antiquiert wirkenden Szenenbild erreicht wird, hat einen gewissen Reiz und erinnert ansatzweise an Francis Ford Coppolas „Bram Stoker’s Dracula“. Die Szenerie an sich kann nur gelobt werden, schafft sie doch eine sehr reale und bedrückende Atmosphäre. Eine ähnliche Dichte fällt mir spontan nur in „From Hell“ oder „Naked Lunch“ ein (den ich bis heute zwar nicht verstanden habe, aber dennoch sehr toll finde!).
Bleibt der Kritikpunkt der schlecht gestrickten Story, und leider ist die für die Bewertung nun mal ausschlaggebend. Hier wurde versucht zu viele Elemente in einen Film zu pressen: ein wenig Konflikt zwischen Vampiren und Menschen a la „Wächter der Nacht“, ein wenig Virus-Angst a la „28 Days Later“, angereichert mit einer Prise Kinderlosigkeit aus „Children Of Men“, einem schlecht herausgearbeiteten Bruderkonflikt und nicht zuletzt den üblichen Thriller-Elementen eines flüchtigen Serienmörders. Vor allem die Tatsache, dass der Film zu Beginn zu viele Erklärungen schuldig bleibt, führt hier zu unnötigem Punktabzug. Hätte Standring ein paar mehr Gedanken an die unwissenden Zuschauer verschwendet und dazu noch einen etwas charismatischeren Cast zusammengestellt, hätte aus dem Film was wirklich Gutes werden können. So bleibt leider nur ein belangloser Film, der lediglich durch seine dichte Atmosphäre und die guten, weil teils überraschenden, Ansätze eine Daseinsberechtigung hat.
Bewertung:
![]()






[...] Perfect Creature (Andy) [...]