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Filmkritik: “Die letzte Legion”

Sep 4th, 2007 by Hausmeister

dieletztelegion_poster01.jpgOriginaltitel: The Last Legion
Herkunftsland/Jahr: USA/England/Frankreich/Slowakei/Italien, 2007
Länge: 110 Minuten
Kinostart: 30. August 2007
Regie: Dough Lefler
Drehbuch: Jaz Butterworth, Tom Butterworth
Darsteller: Colin Firth, Ben Kingsley, Aishwaraya Rai
Genre: Historienfilm, Abenteuer
Offizielle Webseite – IMDB

Inhalt:

12 Jahre alt und schon so mächtig: der junge Kaiser Romulus Augustus übernimmt die Herrschaft über das an Macht verlierende Rom. Eine gewisse Angst vor dem Amt ist nicht unbegründet: seine fünf Vorgänger wurden alle kurz nach der Inthronisierung ermordet. Nachdem das Römische Kaiserreich sich weigert den alliierten Goten Land zu übergeben, proben die den Aufstand und entführen Kaiser Romulus Augustus nach Capri. Aurelius, der Anführer der Kaiserlichen Leibgarde, macht sich auf den Weg den jungen Kaiser aus der Gewalt der Kidnapper zu befreien. Zwar gelingt die Befreiungs-Aktion, aber in der Zwischenzeit wird das Kaiserreich zerschlagen, die Römischen Legionen sind in alle Winde zerstreut. Aurel schlägt vor nach Britannien zu ziehen, wo die letzte vorhandene Römische Legion vermutet wird. Doch bei der Ankunft erleben sie eine Überraschung.

Kritik:

Eingefleischte “Ben Hur”-Fans werden diesem Film den Status als Historienfilm versagen: mit knapp über 100 Minuten ist er in diesem Genre eher ein Kurzfilm. Doch auch nicht ganz so linientreue History-Fans können den Film als „weder Fisch noch Fleisch“ bezeichnen. Zwar scheinen Namen und Daten aus der Geschichtsschreibung entlehnt zu sein, vom Realitäts-Level spielt sich der Film jedoch eher auf dem Niveau von „Conan – Der Barbar“ ab. Im Mittelpunkt steht nicht die authentische Darstellung der Ereignisse, sondern der Unterhaltungswert. Spätestens die verstreut gesetzten Szenen, die das Publikum zum Lachen bringen sollen, nehmen dem „Historienfilm“ jegliche Glaubwürdigkeit.

Bei den Action-Sequenzen wird weitgehend auf CGI-Effekte verzichtet, was zuerst positiv auffällt. Nach kurzer Zeit wird aber deutlich, dass die handgemachten Kampfszenen ebenso unspektakulär und belanglos sind wie der ganze Film an sich. Die Choreographie wirkt durchgehend einfallslos und weder realistisch noch aufsehenerregend.

Auch wenn ich Colin Firth grundsätzlich als Schauspieler schätze, in diesem Film war er eine glatte Fehlbesetzung. Ist er in bisherigen Filmen doch meist der eher zurückhaltende und zivilisierte Part, der auch mal Angst vor Hugh Grant’s Aufwärtshaken hat, fällt es schwer ihm hier den unerschrockenen Einzelkämpfer abzunehmen. Ebenso glanzlos erscheint auch der einstige Oscar-Gewinner Ben Kingsley („Gandhi“), der sich mit dieser Rolle auch keinen Gefallen getan hat. Einzig die Bollywood-Beauty Aishwaraya Rai glänzt, allerdings auch nur durch ihre Schönheit und nicht durch Talent.

Den größten Schnitzer leistet sich der Film bei der finalen Schlacht: vom Ablauf her erinnert sie ganz gewaltig an die Schlacht um Helm’s Klamm in „Herr der Ringe“. Vor allem die Tatsache, dass sich das blutige Gemetzel von mordlüsternen Kämpfern auf einmal wie von Geisterhand auflöst und alle gerade noch im Blutrausch befindlichen Kämpfer anscheinend Feierabend machen, hinterlässt einen sehr faden Beigeschmack.

Wer einen Film im Setting „Altes Rom“ sehen will, sollte auch weiterhin zu „Gladiator“ greifen. Wem epische Schlachten wichtig sind, der macht mit der „Herr der Ringe“-Trilogie nichts falsch. Und da „Die letzte Legion“ aus beiden Bereichen nur einen mangelhaften und schnell verdauten Mix bietet, ist dieses Filmwerk verzichtbar.

Bewertung:

Posted in Film, Meinung

4 Responses to “Filmkritik: “Die letzte Legion””

  1. on 05 Sep 2007 at 07:481Phil

    Welch ein derber Verriss…
    Aber gewissermaßen gerechtitfertigt.

  2. on 05 Sep 2007 at 12:312mancher Leser

    Ähäm, seit wann schätzt Du denn C.F. als Schauspieler??? ;)

  3. on 05 Sep 2007 at 13:043Hausmeister

    @mancher Leser…;-):
    Na hömma. Die Rollen in “Bridget Jones” oder “Tatsächlich Liebe” waren ihm ja echt auf den Leib geschneidert. Er ist schon ein Guter, das habe ich doch nie bezweifelt, nur weil ich die überschwängliche Liebe “mancher Leser” nicht 100% nachvollziehen kann. Da muss ich ehrlich zugeben, dass ich die …sagen wir mal “Begeisterung”… meiner Frau für Clive Owen eher nachvollziehen kann, weil der offensichtlich mehr ein “echt standesgemäßer Frauentyp” ist. Aber Colin Firth füllt doch die meisten seiner Rollen sehr glaubhaft aus – selbst in Londinium…;-)

  4. on 05 Sep 2007 at 19:224mancher Leser

    Schau Dir mal “Where the truth lies” an, oder “Traumata” oder “Another country”. Und dann können wir das Gespräch gern noch einmal aufnehmen! :) BJ ist sicher einer meiner Lieblingsfilme, aber leider, leider viel zu klischeebehaftet. Und wenn ich das noch kurz anmerken darf, ich “suche” meine Favorites sicher nicht nach dem Gesichtspunkt “echt standesgemäßer Frauentyp” aus! ;) ))
    Den Rest dazu gern demnäxt live! Wann eigentlich????

    *pieppiep* :)

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