Filmkritik: “Death Sentence – Todesurteil”
Sep 25th, 2007 by Hausmeister
Originaltitel: Death Sentence
Herkunftsland/Jahr: USA, 2007
Länge: 110 Minuten
Kinostart: 13. September 2007
Regie: James Wan
Drehbuch: Ian Jeffers, Brian Garfield
Darsteller: Kevin Bacon, Kelly Preston, John Goodman
Genre: Thriller
Inhalt:
Eigentlich ist Nick Hume ein Durchschnittsbürger: als Abteilungsleiter einer Versicherung verdient er genug, um seiner Frau und seinen beiden Söhnen ein angenehmes Leben bieten zu können. Als bei einem brutalen Überfall auf eine Tankstelle sein ältester Sohn erstochen wird, ist die heile Welt blitzartig zerstört. Der Täter wird geschnappt und vor Gericht gestellt. Da Nick der einzige Zeuge des Mordes war, versucht sein Anwalt durch einen Deal zumindest eine kurze Haftstrafe herauszuschlagen. Doch Nick, der den Täter nicht mit ein paar Jahren davonkommen lassen will, hält seine Anklage nicht aufrecht, so dass der Mörder direkt wieder auf freien Fuß gesetzt wird. Als Nick erfährt, dass sein Sohn nur deswegen sterben musste, damit der Täter in einer Gang aufgenommen wird, brennen bei ihm die Sicherungen durch. Er tötet den Mörder seines Sohnes. Doch anstatt dem ganzen Desaster damit ein Ende zu bereiten, erweckt er mit seiner Tat nun die Aufmerksamkeit der Gang…
Kritik:
Wenn sich „Saw“-Regisseur James Wan des Themas Vergeltung annimmt, dann kann nur ein Film dabei herauskommen, den das Prädikat „ab 18“ ziert. Der Film hat mich gefesselt. In einigen Szenen habe ich – zumindest in Gedanken – minutenlang die Luft angehalten. Denn Wan verlässt sich nicht nur auf die Darstellung von Gewalt, um Eindruck zu schinden und zu erschrecken, sondern setzt vor allem auch auf eine gute Story und ausgezeichnete Schauspieler.
Kevin Bacon bekommt die Verwandlung vom biederen Verwaltungsangestellten zum wütenden Rache-Engel ziemlich gut hin. Seine Darstellung eines normalen Mannes, der durch eine Spirale der Gewalt immer tiefer gezogen wird, ist gut nachvollziehbar. Trägt er doch zumindest eine Teilschuld an der Eskalation der Gewalt, so ist es auch gut verständlich, dass er mehr und mehr zu einem Menschen mutiert, der nur noch für die Rache lebt und sich dabei selbst vergisst. Was aus ihm wird, ist ihm irgendwann egal. Er möchte nur noch dafür sorgen, dass jene, die seiner Familie Gewalt antun, eine – seiner Meinung nach – gerechte Strafe erhalten.
Ihm zur Seite steht eine von Kelly Preston gut dargestellte Durchschnitts-Mutter und ein Sohn, der sich immer kläglich gegen seinen großen Bruder behaupten musste. Auch für die Darsteller der Killer-Gang wurden einige stimmige Darsteller gefunden. Besonders klasse: Ex-„Roseanne“-Ehemann John Goodman als schmieriger Waffenhändler. Kurzum: das Umfeld passte in diesem Film und machte ihn beängstigend authentisch. Besonders heftig wirkte auf mich der effektvoll in Zeitlupe eingefangene Trauerschmerz der Eltern.
Die Gewaltdarstellungen sind sehr realistisch, teils dadurch auch besonders bedrückend. Während es zum Ende hin natürlich den großen pompösen Schlussfight gibt, erscheint der Mord an Nicks Sohn beinah beiläufig und unspektakulär. Ein einziger Hieb mit einer Machete, der ganze Leben verändert – und dabei so sinnlos erscheint. Manchmal ist die Gewalt eben nicht von Knalleffekten begleitet und dennoch ebenso schlimm.
Dass Regisseur Wan einen kleinen Spleen hat, nämlich den, die Maske des Jigsaw-Killers aus „Saw“ in seinen Folgefilmen unterzubringen, zeigt sich in diesem Fall an einer mit Graffiti beschmierten Wand. Was dem Hitchcock sein Cameo-Auftritt war…
Besonders interessant fand ich eine kleine Botschaft, die ganz am Ende des Films versteckt ist. Nachdem wir nun also in epischer Breite gesehen haben wie ein Normalo zum brutalen Rächer wird, der den Verlust seiner Lieben sühnen will, entdecken wir auf einem ganz am Ende eingeblendeten Fernseher eine spannende Frage: anstatt eines aufgeprägten Markennamens findet sich am Fernsehergehäuse ein aufgeprägtes „COULD U?“, das den Zuschauer mit einer bohrenden Frage aus dem Kinosaal entlässt.
Bewertung:






