Filmkritik: “Die Fremde in Dir”
Okt 2nd, 2007 by Hausmeister
Originaltitel: The Brave One
Herkunftsland/Jahr: USA/Australien, 2007
Länge: 119 Minuten
Kinostart: 27. September 2007
Regie: Neil Jordan
Drehbuch: Roderick Taylor, Bruce A. Taylor
Darsteller: Jodie Foster, Terrence Howard, Nicky Katt
Genre: Thriller, Drama
Inhalt:
Erica Bain führt ein angenehmes Leben. Sie hat in New York eine sehr erfolgreiche Radio-Kolumne und genießt das kulturelle Leben in der Metropole am East River. Auch privat ist alles im Gleichgewicht: sie steht kurz vor der Hochzeit mit ihrem Freund David. Doch schnell findet das Glück ein jähes Ende. Während eines Abendspazierganges wird das turtelnde Pärchen Opfer eines Überfalls. David stirbt, Erica erwacht nach drei Wochen aus dem Koma. Die Polizei steckt bei ihren Ermittlungen nach den Tätern in der Sackgasse.
Nach der Entlassung aus der Klinik ist Erica auf sich allein gestellt. Sie verkriecht sich in ihrer Wohnung und meidet die Öffentlichkeit. Um außerhalb ihrer vier Wände wieder ein wenig Sicherheit zu erlangen, kauft sie sich eine Pistole. Es dauert nicht lange bis sie in einer Notfallsituation abdrücken muss. Fortan ist ihr Detective Mercer auf den Fersen.
Kritik:
Zwar ist „Die Fremde in Dir“ rein inhaltlich gesehen ein ähnliches Rache-Drama wie der kürzlich angelaufene Film „Death Sentence – Todesurteil“. Doch im Gegensatz zur eher actionlastigen Variante mit Kevin Bacon bietet Jodie Foster hier Gefühlskino vom Feinsten.
Klar, auch dieser Film kommt um Gewalt nicht herum. Zumal Erica von den Medien schnell zur Heldin der Selbstjustiz gehyped wird. Aber diese Momente sind wie im wahren Leben: ein kurzer Knall und dann ist alles auch schon vorbei. Hier wird die Gewalt nicht zum Selbstzweck, sondern gut in der Handlung platziert, um diese behutsam voranzubringen.
Auch die „Jagd“ der Polizei gestaltet sich anders als man es im Krimi gewohnt ist: nie kommt es zur Verfolgungsjagd, vielmehr entwickelt sich eine besondere Beziehung zwischen Täterin und Fahnder.
Die ganz besonderen Momente in diesem Film sind jene, in denen eine undurchschaubar wirkende Jodie Foster uns doch tiefe Einblicke in ihr Seelenleben gewährt. Ohne große Gesten, sondern nur mit eindringlichen Blicken zeigt sie uns die Abgründe einer verängstigten Seele. Meisterhaft!
Es gehört viel schauspielerisches Können dazu, um eine Frau zu verkörpern, die sich nach mehreren Morden immer noch im Recht fühlt – und vom Publikum auch noch dafür gemocht wird.
Das Ende bietet einige Überraschungen und hinterlässt einen Zuschauer, der zwar weiß, dass Mord niemals eine gerechte Strafe sein kann, aber der genau nachvollziehen kann, warum Erica in den einzelnen Situationen abgedrückt hat. Ich jedenfalls verließ das Kino mit Kloß im Hals und einer verdrückten Träne im Augenwinkel.
Bewertung:






