Filmkritik: “Batman Begins”
Dez 15th, 2007 by Hausmeister
Bruce Wayne ist vom Leben schwer gebeutelt: als Achtjähriger muss er in seiner Heimatstadt Gotham den Doppelmord an seinen wohlhabenden Eltern mit ansehen, später gerät er auf die schiefe Bahn und landet in China im Knast. Hier fällt schnell seine Kämpfernatur auf: blitzschnell kann er sich gegen böse Zellengenossen zur Wehr setzen, so dass er sogar in Einzelhaft kommt: nicht zu seinem Schutz, sondern zum Schutz seiner Mithäftlinge.
Beeindruck von so viel Kampf-Talent bietet Henrid Ducard ihm eine fundierte Ausbildung in Selbstverteidigung an. Als klar wird, dass Ducard die Stadt Gotham vernichten will, weil sie sich immer mehr zu einem Sündenpfuhl aus Habgier, Korruption und Gewalt entwickelt, bricht Wayne mit seinem Mentor. Er will lieber versuchen die Kriminalität zu bekämpfen anstatt die komplette Stadt auszulöschen. Doch anstatt sich den regulären Ordnungshütern anzuschließen, ersinnt er gemeinsam mit seinem treuen Butler Alfred die Symbol-Figur des „Batman“, der fortan – einer Legende gleich – in Gotham für Recht und Ordnung sorgt.
Lange stand der Film auf meiner „Must-See“-Liste, habe ich doch Christian Bale z.B. in „American Psycho“ als einen ausgezeichneten Schauspieler in Erinnerung. Nachdem die Tauschticket-DVD nun eine Weile in der Schublade geschlummert hatte, ist nun mit der Zeit der grauen Herbst-Abende der passende Zeitpunkt für einen gemütlichen Filmabend gekommen. Und ich muss sagen: der Film war klasse!
Klar: „Batman Begins“ ist eine Comic-Verfilmung, die erst einmal in einer Reihe steht mit Filmen zu Superhelden wie etwa „Spiderman“, „Hulk“, „Superman“ oder „Die Fantastischen Vier“. Dennoch hebt sich die Fledermaus-Verfilmung von Christopher Nolan erfreulich von den vielen Film-Enttäuschungen ab (von „Spiderman“ mal abgesehen).
Nolans Version ist wesentlich dunkler als üblich. War „Fantastic Four: Rise Of The Silver-Surfer” eine art in Film gegossenes Rosarot-Hubba-Bubba-Kaugummi, das mit vielen dümmlichen Witzen und drögen Sprüchen für Erheiterung sorgen wollte, ist “Batman Begins” eher die schwarze Rauchwolke am düsteren Nachthimmel. Blieb die letzte „F4“-Verfilmung (die ich jetzt mal als krassen Vergleich heranziehe, weil es mein letzter „Superhelden-Film“ war) sehr plakativ und oberflächlich, so bietet „Batman Begins“ eher eine Art Psychogramm des Superhelden, das zum Ende hin noch mit ein wenig Action gewürzt ist.
Wichtigster Unterschied – der mir bisher gar nicht mal so bewusst war (Comic-Fans werde mich erdolchen…) – zu all den anderen: „Batman“ hat eigentlich keine Superkraft. Er wurde nicht von einer mutierten Spinne gebissen, ist bei keinem geheimen Regierungs-Experiment unter die Räder gekommen, sondern „Batman“ ist vorrangig Bruce Wayne, ein Mensch. Zwar ein gut trainierter Mensch mit vielen technischen Gadgets, aber weder verfügt er über Superkräfte noch kann er seinen Körper verformen. Damit spielt er eher in einer Liga mit Inspector Gadget.
Und eben weil hier keine Geschichte im Sinne von „Wo hat der Kerl denn seine Superkräfte her?“ erzählt werden muss, konzentriert Regisseur Nolan sich darauf zu ergründen, warum Bruce Wayne zu Batman geworden ist. Anstatt sich in wilden Animationen zu ergehen, bekommt der Zuschauer einen Blick in die Gedankenwelt Waynes, die vor allem von Furcht geprägt wird. Denn: „Batman“ hat Angst vor Fledermäusen, dank eines tief in der Kindheit verwurzelten Traumas.
So kommt Waynes Erklärung, warum er sich denn gerade für die Fledermaus als Symbol entschieden hat, schon fast poetisch daher: „Damit meine Feinde die gleiche Angst haben wie ich.“
Natürlich kommt auch die Action nicht zu kurz, so dass der zwangsläufige Showdown am Ende auch mit tollen Effekten begeistern kann. Ebenso wie die Besetzungsliste: neben Christian Bale wären da noch Morgan Freeman, Michael Caine, Liam Neeson, Katie Holmes und mein besonderer Freund Cilian Murphy („Sunshine“, „28 Days Later“) zu nennen. Während Caine natürlich die Idealbesetzung für einen britisch anmutenden Butler ist, kann Morgan Freeman als technisch versierter Gadget-Erfinder vom Schlage eines bond’schen Q’s überzeugen. Katie Holmes weckt mit ihrer unbedarften mädchenhaften Art einmal mehr den Beschützerinstinkt (wer beschützt sie eigentlich vor ihrem Ehemann?!) und Murphy hat eh ein wenig den Wahnsinn im Blick, für die Besetzung als Bösewicht natürlich ideal.
Alles in allem ein gelungener Superhelden-Film, der sich erfreulich von der locker-leichten Erzählwelt der knallbunten Comic-Verfilmungen abhebt. Merke: in Gotham City ist es 20 Stunden am Tag Nacht, und wenn es mal nicht in Strömen regnet, dann qualmt es zumindest aus jedem Gullideckel. Das ist stimmig, so mag ich das!
Bewertung:







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