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Filmkritik: “I Am Legend”

Jan 25th, 2008 by Hausmeister

Endzeit-Szenarien hatten auf mich schon immer einen besonderen Reiz. In jungen Jahren faszinierte mit das Atomkriegs-Drama „The Day After“ ebenso wie „Wenn der Wind weht“ – meiner Meinung nach einer der besten Zeichentrickfilme ever. Auch „28 Days Later“ oder „The Stand“ hatten diesen gewissen Thrill: wenn die Menschheit am Rande des Abgrunds steht, klappt bei mir regelmäßig der Kiefer herunter.

iamlegend_poster_03.jpgNun also „I Am Legend“ mit Zuschauer-Garant Will Smith in der Rolle des Militär-Forschers Robert Neville. Eine seiner besten Szenen hat der Film ganz zu Beginn: auf einer Mattscheibe sieht der Zuschauer die Übertragung eines Nachrichtenkanals laufen. Als der smarte Moderator der Sport-Nachrichten zu seiner Kollegin aus der Wissenschafts-Sendung abgibt, bleibt einem fast der Atem weg. Eine zurückhaltend und schüchtern wirkende Frau bestätigt im Interview mit der Moderatorin, dass sie ein Heilmittel gegen Krebs gefunden haben, das in 100% der Fälle Wirkung zeigt. Doch was zuerst wie ein wahrer Lichtblick wirkt, entpuppt sich schnell als die dunkelste Wolke, die je über der Menschheit hinweggezogen ist. Durch die Behandlung kommt es zu einer Gen-Mutation, die einen Virus hervorbringt. Eine eilig einberufene Quarantäne des Ausbruchs-Gebiets in New York zeigt keine Wirkung: Milliarden von Menschen werden vom Virus dahin gerafft. Jene, die überleben hätten gewünscht dass sie auch sterben. Die degenerieren zu blutrünstigen Bestien, die aufgrund einer Unverträglichkeit gegenüber UV-Strahlung fortan das Tageslicht meiden müssen und nur nachts auf die bestialische Jagd gehen.

Hier kommt Neville ins Spiel: er gehört zu jenen Forschern, die das Heilmittel gegen Krebs gefunden haben. Er bleibt nun allein im Quarantäne-Gebiet von New York zurück, um an einer Heilung des tödlichen Virus zu arbeiten. Begleitet nur von seinem Schäferhund Sam streift er durch ein verlassenes Downtown Manhattan, das von der Natur langsam zurückerobert wird: auf dem Broadway platzen Grasbüschel durch die Asphaltdecke, Efeu und wilder Wein ranken an den Fassaden empor und selbst scheue Rehe trotten nun ohne Angst über die 5th Avenue.

Auf den ersten Blick natürlich eine tolle Vorstellung: einfach in die Geschäfte hineinmarschieren und sich mitnehmen was man braucht. Dann noch einen schönen Sportwagen knacken und ungesehen an der nächsten Tankstelle ohne zu zahlen voll tanken. Um mal wieder frisches Fleisch in den Bauch zu bekommen, besorgt man sich im Waffen-Shop ein Scharfschützen-Gewehr und geht auf die Pirsch nach Rotwild (oder bedient sich einfach im überall vorhandenen Dosenfutter). Doch spätestens in dem Moment, in dem man beginnt mit hübsch drapierten Schaufensterpuppen zu sprechen, weil ansonsten kein anderer Mensch mehr existiert, hat diese schöne Wunschvorstellung ihr jähes Ende. Und da waren ja noch die blutrünstigen Nachtjäger…

Es sieht schon sehr imposant aus wenn man New York beim langsamen Zuwuchern beobachten kann. Die Szenerie wirkt surreal, erkennt man doch einige markante Ecken wie etwa den Times Square, die man en Lebtag lang (hoffentlich) nie menschenleer erleben wird. Hinzu kommen die seelenlosen und instinktgetriebenen „Nachtschattengewächse“, die sehr gut gemacht und wirklich furchterregend sind.

Will Smith liefert zwar eine solide Leistung ab, an der nichts auszusetzen ist; die Hauptrolle in diesem Film spielte für mich aber vielmehr die bedrückende Stille, die auf dem „Big Apple“ lag. Im Gegensatz zu Horror-Schockern der Marke „28 Weeks Later“ setzt der Film nämlich nicht vorrangig auf platte Action, sondern durchbricht die Stille nur hier und da kurz sehr effektvoll und sorgt damit für Spannung auf einem anderen Niveau.

So ganz zufrieden kann ich mit dem Film dann doch nicht sein, da ich mich mit dem Ende nicht so recht anfreunden mag. Und alles in allem bot mir die Handlung zu wenig Tiefe. Hier und da noch ein kleiner Nebenhandlungs-Strang oder ab und zu mal ein kleiner Aha-Effekt hätten dem Film ganz gut getan. So plätschert er ziemlich dahin und bezieht seinen Reiz mehr aus einer computergenerierten Ghost-City als aus einer spannenden Handlung. Anfangs ganz okay, aber irgendwann hat man sich an den beeindruckenden Bildern dann doch satt gesehen und sehnt sich nach ein wenig mehr Biss in der Storyline.

Bewertung:

Posted in Film, Meinung

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