Filmkritik: “Deja Vu”
Jan 30th, 2008 by Hausmeister
Ich hatte wohl schon mal erwähnt, dass ich im Hinblick auf Filme/Bücher rund ums Zeitreisen ein eher schlichtes Gemüt bin: anstatt messerscharf auf Logik-Lücken zu achten, lasse ich mich lieber berieseln. Da nehme ich gerne alle wirren Wendungen der Story hin und schließe mich meist kompromisslos der Denkweise des Drehbuchautoren an, anstatt auf biegen und brechen das Gezeigte ad absurdum führen zu wollen.
Schönes Beispiel hierfür: „Deja Vu“. Denzel tritt als Ermittler Doug Carlin an, die Umstände eines Terroranschlags aufzuklären. Bei einer Explosion auf einer Mississippi-Fähre sind über 500 Menschen, hauptsächlich Soldaten gestorben, die gerade den Abschluss ihrer militärischen Ausbildung zelebrieren wollten. Während der Ermittlungen knüpft er Kontakt zu einer ominösen Anti-Terror-Einheit, die über ein untrageheimes Computersystem mit dem schönen Namen „Schneewittchen“ hört. Mit diesem Supercomputer ist es möglich aus den Bildern aller Überwachungskameras eines citynahen Areals ein dreidimensionales Bild zu erstellen, in dem sich die imaginäre Kamera frei bewegen kann. Doch „Schneewittchen“ hat auch seine Grenzen: so wird zwar die Vergangenheit in Echtzeit berechnet, das generierte Bild entstand allerdings jeweils vier Tage und sechs Stunden vor der Gegenwart – Anhalten und Spulen nicht möglich.
Als kleines Gimmik als Quasi-Wiedergutmachung für diese technische Begrenztheit, bietet „Schneewittchen“ aber die Möglichkeit, Dinge genau in diese Vergangenheit zu transportieren.
Huäääh, gäääähn. Zugegeben: die Story ist schon sehr abgedreht. Vor allem die Tatsache, dass „Schneewittchens“ Kamera sich so dermaßen frei durch die Luft steuern ließ, um auch wirklich jeden Winkel beleuchten zu können, ist mir anfangs etwas sauer aufgestoßen. Erinnerungen an den „Staatsfeind Nummer Eins“ wurden wach: dort schafft es eine normale Tankstellen-Überwachungskamera sogar Will Smith in die Plastiktüte zu gucken. Unrealismus pur… Was die Macher aber aus der Grundidee gemacht haben, tatsächlich an einen bestimmten Zeitpunkt der Vergangenheit zurückkehren zu können, war schon sehr innovativ und ziemlich spannend. Und letztlich liebe ich sie ja doch, diese Filme, in denen wir verschiedene Ereignisse sehen und erst Stunden später erfahren, wie sie sich zugetragen haben. Besonders schön sind diese Filme natürlich dann, wenn die verschiedenen Ereignisse schön ineinander verwoben sind. Und das schafft „Deja Vu“ auf jeden Fall. Kino, das in gewissen Maßen auch ein wenig Kopfarbeit fordert.
Und eine Szene fand ich sogar hervorragend: Denzel Washington verfolgt ein Auto, das vor vier Tagen und sechs Stunden auf dieser Straße entlanggefahren ist. Doch wo sich der potenzielle Terrorist im Schutz der Dunkelheit sicher wähnte, gerät Washington direkt in den Berufsverkehr. Wow, hat mich das gefesselt! Damit hat sich dann auch die Frage beantwortet, ob es noch irrwitzigere und unrealistischere Verfolgungsjagden als in „Stirb Langsam 4.0“ gibt.
Also: wer damit leben kann, dass de Story unrealistisch bis zum Gehtnichtmehr ist, bekommt hier einen kurzweiligen Film geboten, der zwar weit entfernt von „anspruchsvoll“ ist, aber dafür ganz nah bei „ansprechend“.
Bewertung:
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