Filmkritik: “Cloverfield”
Feb 7th, 2008 by Hausmeister
Um diesen Film wurde ja nun schon seit gut einem halben Jahr ein ordentliches Bohei gemacht. Erste Trailer, in denen noch nicht mal ein Filmtitel genannt wurde, sorgten für große Aufregung in der Cineasten-Gemeinde. Die gesamte Palette des viralen Marketing wurde ausgeschöpft, immer wieder wurden Informationen und Desinformationen gestreut, so dass sich sogar um den Titel Legenden rankten. Ein besonders skurriler Auswuchs war meiner Meinung nach die Schlagzeile „Jetzt bestätigt: ‚Cloverfield’ heißt offiziell ‚Cloverfield’.“
Aber hat sich der ganze Wirbel gelohnt? War es der Film wert? Ja und nein. Das einzige, was diesen Film aus der Masse von Monsterfilmen der Art „Godzilla“ abhebt, ist die Tatsache, dass der komplette Film mit einer Handkamera aufgenommen wurde, die eine der Hauptpersonen mit sich herumträgt, während New York in Schutt und Asche gelegt wird.
Das Prinzip ist vom Independent-Klassiker „Blair Witch Project“ her bekannt: auch „Cloverfield“ zieht seine gesamte Spannung aus der Tatsache, dass der Zuschauer ebenso viel (oder wenig) weiß wie der Protagonist. Und zugegeben: mit einigen interessanten Kniffen sorgten die Macher dafür, dass man wirklich das Gefühl hat, ein Video-Band zu betrachten. So gibt es nach einem „Ich spule mal zurück“ abrupte Zeitsprünge. Besonders gelungen fand ich die Idee, dass das Videotape bereits vorher schon mal bespielt war und wir in einigen kurzen Sequenzen für ein paar Sekunden das ältere Bildmaterial sehen.
Bevor die Action losböllert sehen wir für gut 15 Minuten Videoaufnahmen einer Party, die uns die Hauptakteure näher bringen soll. Und hier ist die ganz große Kritik an dem Film: das klappt einfach nicht. Zwar sind die Schauspieler nicht schlecht und spielen zumindest anfangs auch sehr natürlich, aber so richtig warm wird der Zuschauer mit keinem von ihnen. Und wenn einem das Schicksal der handelnden Personen dermaßen egal ist, kann der Film seinen Reiz leider nicht aus der Handlung, sondern höchstens aus den Effekten ziehen.
Zumindest hier macht der Film alles richtig. Nach „I Am Legend“ in diesem Jahr schon zum zweiten Mal zu sehen, wie NYC blutet, sticht ins Herz. Gerade zu Beginn erinnern einige Szenen sehr stark an 9/11, was dem Film einen bitteren Beigeschmack gibt (der aber sicherlich haargenau so gewollt war). In diesen Minuten ist der Film tatsächlich richtig gut. Zu sehen wie die Menschen verunsichert langsam in Panik geraten, wie New Yorks Notfallpläne zur Evakuierung greifen, macht den Film dann doch ansatzweise realistisch. Als sich diverse Menschen in einen Drug Store flüchten und dort per Fernsehen die ersten Live-Bilder des marodierenden Monsters sehen – das kickt ass.
Doch leider verspielt der Film dann einiges mit Ungereimtheiten. Mit Kitsch, der nie so fehl am Platze war wie hier und mit Szenen, die diesem doch so gewollt auf Realismus getrimmten Film seine Glaubwürdigkeit nehmen.
Wer also mit konsequent verwackelten Kamerabildern, einer reinen Materialschlacht und einigen guten Effekten zufrieden ist, dem sei der Film wärmstens empfohlen. Wer darüber hinaus glaubt, dass er hier wirklich (abgesehen vom tatsächlich gut designten Monster) Realismus zu sehen bekommt, ein echtes „was wäre wenn“-Szenario, der kann bei dem Film nur ebenso enttäuscht werden wie jene, die auf eine sinnvolle und zumindest ansatzweise mitreißende Handlung hoffen.
Bewertung:
![]()





