Stöckchen: My All-Time-Top-10-Musikvideos
Apr 4th, 2008 by Hausmeister
Der Winkelsen hat mal ein interessantes Stöckchen in die Runde geworfen, das ich doch fix mal aufnehmen muss. Es geht um die persönlichen All-Time-Lieblings-Musikvideos. Bei mir sind es natürlich Videos von Musikern, die ich mag; aber auch Videos, die sich auf die eine oder andere Weise eingeprägt haben. Erinnerungswürdig ist diese Reise in die Vergangenheit allemal. Und wenn ich viele von diesen Posing-Videos sehe, die heutzutage nur kurz die Klingelton-Werbung unterbrechen, kann ich doch ein wenig wehmütig werden. Die 80er waren da echt kreativer…
10.) Dire Straits – Money For Nothing (1985)
Es ward die große Zeit des C64, als die Dire Straits “Money for Nothing” in Umlauf brachten. Meine Augen, damals eher an die Fitzelgrafik von „Giana Sisters“ oder „Barbarian“ gewöhnt, wären beim ersten Anblick dieser simplen, aber für damalige Zeit eben „hochauflösenden“ Computergrafiken, fast aus dem Kopf gefallen. Hätte mir damals jemand so was wie den „Final Fantasy“-Spielfilm oder „Beowulf“ gezeigt, hätte ich 100%ig Schnappatmung bekommen. Hat mal jemand `ne Tüte? Übrigens: der Herr, der im sowohl die Background-Vocals als auch das inzwischen legendäre „I Want My MTV“ singt, ist kein geringerer als Sting höchstpersönlich. Allein dieser Anfang: ein breiter Klangteppich, der von einem treibenden Schlagzeug zum Höhepunkt gebracht wird. Und dann: eines der besten Riffs aller Zeiten. Knopfler rules!
9.) Madonna – Like a Virgin (1984)
Och Gott, was hat dieses Video damals meinen Hormonhaushalt durcheinander gebracht – und den von Millionen anderen. Vor Madonna war die Welt noch wesentlich züchtiger, die einzigen blanken Busen, die ich davor gesehen habe, befanden sich auf dem Cover der Spider-Murphy-Gang-LP. Und dann kommt dieses gottlose Biest und räkelt sich dermaßen durch Venedigs Kanäle, dass sie sich nicht mal auszuziehen braucht und man ihr sogar die blauen Leggins verzeiht…
8.) Peter Gabriel – Sledgehammer (1986)
Dieser Song fiel in meine „frühkindliche musikalische Entwicklung“, also in jene Zeit, in der ich merkte, dass es noch etwas anderes gab als solche Singles wie „Sieben Fässer Wein“ von Roland Kaiser, die meine Mutter ihrem Sohnemann aus dem großen Hannover mit ins Dorf geschleppt hat. Damals ein wirklich innovatives Video (zu einem sehr guten Song übrigens).
7.) Coldplay – The Scientist (2002)
Im Leben gibt es Momente, an die man wehmütig zurückdenkt. Momente voll Schmerz und Verlust. Momente, in denen man gewünscht hätte, die Zeit zurückdrehen zu können. Coldplay haben genau diesen Momenten mit „The Scientist“ und einem – wie ich finde – sehr emotionalen Video ein Denkmal gesetzt. Sänger Chris Martin gebührt mein größter Respekt: ein komplettes Lied rückwärts zu singen, so dass es doch fast natürlich aussieht, ist schon ‘ne Leistung.
6.) Jamiroquai – When You Gonna Learn (1992)
Warum dieser eher unspektakuläre Clip bei meinem Best-Of gelandet ist, wo es doch noch solche Hammer wie “Thriller” gibt? Ganz einfach: ich werde nie den Tag vergessen als ich durch die Kanäle gezappt habe und mir auf einmal dieser komische Typ mit einem halben Büffel auf dem Kopf erstmalig durch die Mattscheibe zugelächelt hat. Seine Funkyness und Lässigkeit hatten mich ebenso in ihren Bann gezogen wie seine derbst geschmeidigen Bewegungen – bisher unübertroffen. Zu dem Zeitpunkt war Mister Jay Kay selbst in England noch relativ unbekannt, doch ich habe schon nach Sekunden gespürt, dass er das „Next Big Thing“ wird. In Deutschland hat er sich ja nie so richtig durchgesetzt. Als ich dann Wochen später erfuhr, dass dieser unscheinbare Kerl bei Sony so mir nichts, dir nichts einen Vertrag über sage und schreibe acht Alben bekommen hat (keiner davor, keiner danach!), hatte ich schon längst – vermutlich als einer der ersten – sein Album im Regal stehen. Für mich ist er einer der wenigen, die charmetechnisch bei Live-Auftritten in einer Liga mit Robbie Williams spielen können. Wer einen wirklichen Beweis für seine ober-abgefuckte Coolness braucht, der siehe mal bitte, wie er vor der Performance des Donna-Summer-Klassikers “Bad Girls” live in Verona gleich in den ersten Sekunden des Videos auf den Knien über die klitschnasse Bühne rutscht… um haargenau am Bühnenrand anzuhalten. My Personal Jesus…;-)
5.) Kate Bush – Experiment IV (1986)
Komisch, immer wenn ich an dieses Lied denke, muss ich zwangsläufig auch an Monty Python denken. Waren die Monties auf der Suche nach einem tödlichen Witz, so ist Frau Bush auf der Suche nach einem tödlichen Geräusch. Ein sehr eindringliches Video: einalternder Wissenschaftler merkt leider viel zu spät, an was für einem teuflischen Geräusch er herumforscht. Stellvertretend für all die Wissenschaftler, deren Forschungen zum Töten von Menschen missbraucht werden – moderne Zauberlehrlinge. Damals eines der ersten englischsprachigen Lieder, bei denen ich mit dem Text richtig was anfangen konnte. Alles andere war entweder Liebes-Weichspül-Musik ohne Inhalt, oder so voll Inhalt (und Symbolik), das sich mir der Sinn nicht erschließen wollte. (Ein weiterer Ansehtipp ist “Cloudbusting“, in den Hauptrollen: Schauspieler Donald Sutherland und eine auf 10jähriger Junge getrimmte Kate Bush).
4.) Dire Straits – Brothers in Arms (1986)
Ein Video wie ein Faustschlag und eine tröstende Umarmung zugleich. Unsinn des Krieges, Trauer, Verlust, Hoffnung – all das in fantastischen Bildern eingefangen, unterlegt von einem wundervollen Lied. Nicht nur das pointierte Spiel von Mark Knopfler auf seiner Fender löst bei mir immer wieder Gänsehaut aus.
3.) Oasis – D’you Know What I Mean? (1997)
Die Gallagher-Brüder waren ja schon seit jeher für ihre großkotzige Art bekannt. Keine Chance ließen sie aus, um sich selbst als „Beste Rock`n`Roll-Band ever“ zu produzieren. Und ja: für mich waren sie größer als alle anderen. Auch wenn sie natürlich die Musikwelt nicht so beeinflusst haben wie die Stones oder die Beatles, vieles war geklaut – oder sagen wir “veredelt”. In diesem Video haben sie sich so in Szene gesetzt, wie es sich für die beste Rockband der Welt gehört: mit coolen Sonnenbrillen, korrekten Brit-Pop-Parkas, Hubschraubern und Zeitlupe. Ich bin ehrlich: ich konnte mich nicht dagegen wehren, in einer fast schon teeniehaften Art mit offenem Mund und „Boah, seid ihr cool!“-brabbelnd vor dem Fernseher zu sitzen. Seht her, all ihr The-Band-Sissies: so sehen wahre Rockstars aus! – Und so benehmen sie sich: seinen Brit-Award 1996 einfach mit dem Look eines Eckenpenners und einer Bierdose in der Hand entgegennehmen. Da wird man richtig wehmütig wenn man sieht was sich da auf der Nominierten-Liste so tummelt: Blur, Oasis, Pulp, Radiohead und “The Godfather of Brit-Pop” Paul Weller….ach ja…damals…
2.) Björk – All Is Full Of Love (1999)
Ästhetik ist etwas, das wir meistens mit Menschen in Verbindung bringen. Eine anmutige Tänzerin etwa oder ein eleganter Akrobat mit perfekter Körperbeherrschung. Dass es auch mal eine Maschine sein kann, sieht man in diesem Video. Als Waage-Mann soll ich ja sehr großen Wert auf Ästhetik legen – so sagt es mein Horoskop. Hier trifft es auf jeden Fall zu. Nie waren Roboter sinnlicher. Kritiker könnten meinen, es wäre „I Robot“ in der „Kuschelrock-Version“.
1.) OK Go – Here It Goes Again (2005)
Immerhin auf dem ersten Platz dann doch noch mal ein zweites Lied aus unserem Jahrhundert… Man soll es ja vermeiden in Stöckchen auf Antworten anderer Beantworter zurückzugreifen. Hätte der Winkel es nicht schon erwähnt, könnte hier sicherlich auch „Virtual Insanity“ von Jamiroquai stehen. Dieses Video besticht durch seine hervorragende Choreographie, bei der das Lied zur Nebensache wird, weil man erst mal gar nicht aus dem Staunen heraus kommt. Okay: dann suche ich eben etwas anderes mit einer genialen Choreographie. Klar gäbe es da die Jacksons oder auch einiges von Christina Aguilera oder gar Britney (immerhin tolle Choreos hatte sie ja…). Aber die Krönung all dessen ist ja wohl ohne Frage dieser Song! Fast wie der sich bewegende Boden bei “Virtual Insanity” – nur kleiner…und irgendwie noch besser!
Wer will, greife sich bitte das Stöckchen zur weiteren Verwertung!








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