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Filmkritik: “Freischwimmer”

Mai 2nd, 2008 by Hausmeister

freischwimmer_poster02.jpgDass deutsche Filme mitreißen können hat unlängst erst wieder der lupenreine Gangsterfilm „Chiko“ bewiesen. So ziemlich jedes Genre – außer vielleicht Science-Fiction – wird vom Produktionsland Deutschland mit guten Streifen versorgt. Sei es die Action-Fraktion mit solchen Streifen wie „Das Experiment“ oder „Lola rennt“, der Comedy-Bereich mit „Wixxer“-Filmen, Kriegsfilme a la „Stalingrad“ und natürlich „Das Boot“ oder Dramen wie „Rosenstraße“ oder jüngst „Hanami“. Angesichts solcher hiesigen „Klassiker“ kann man sich den Kinobesuch für „Freischwimmer“ eigentlich sparen…

Rico ist ein schwerhöriger Schüler, der in seiner Klasse ziemlich ausgegrenzt wird. Auch beim Schwimmen zieht er gegen Robert den kürzeren. Direkt nach einem Wettkampf kommt Robert ums Leben, Rico wird Zeuge. Anschließend ist er so verstört, dass er die Schule meidet und seinen Lehrer Martin Wegner darum bittet, ihm Nachhilfe zu geben. Zu Hause läuft es für Rico auch alles andere als prächtig: seine Mutter führt eine Beziehung zu Ricos Sportlehrer Richard. Dieser drangsaliert den unliebsamen Stiefsohn in spe so gut er kann…

Eigentlich kann man die Handlung des Films gar nicht wirklich in wenigen Zeilen zusammenfassen, was auch gleich einen meiner Hauptkritikpunkte ergibt: es werden in diesem Film einfach zu viele Baustellen aufgemacht. Ricos Schwerhörigkeit und Ausgrenzung aus der Klassengemeinschaft wird angeschnitten. Sein Verhältnis zu seinem Vertrauenslehrer bzw. zu seinem zukünftigen Stiefvater. Ein Kindheitstrauma aufgrund dessen er nun Rettungsschwimmer werden will. Seine heimliche Liebe zu einer Mitschülerin. Und so weiter und so fort. Nur leider bietet kein Handlungsstrang eine wirklich weitgehende Tiefe.

Der größte Kritikpunkt, der diesem zum Ende hin recht spannenden Film ziemlich viel Wind aus den Segeln nimmt: die aberwitzigen Dialoge. An sehr vielen Stellen wirken Gespräche aufgesetzt, vorhersehbar und platt, so dass sie (vermutlich) ungewollt komisch bis skurril wirken. Zwar ist es klar, dass ein offensichtlich Geistesgestörter auch mal wirr spricht, aber normalerweise sollten solche Sätze dann entweder Anteilnahme oder Angst beim Zuschauer auslösen und kein Lachen. Gerade zu Beginn des Filmes gab es da einige Szenen, die nicht nur bei meinem Sitznachbarn die Frage auslösten „Der Film nimmt sich doch wohl nicht ernst, oder?“ Und wenn ein Film erst mal so „unten durch“ ist, fällt es schwer ihm noch was Positives abzugewinnen.

Und dennoch: die letzten 2,- € des Kinotickets (bzw. die letzte halbe Stunde Film) haben sch wirklich gelohnt. Gerade zum Ende hin gab es doch noch einige intensive Szenen, die dann doch noch eine gewisse Wirkung zeigten.

Geschuldet ist das vor allem dem hervorragenden Spiel des Hauptdarstellers Frederick Lau, der erst letzte Woche den Deutschen Filmpreis gewonnen hat. Auch in „Freischwimmer“ bietet er eine hervorragende Leistung und lässt für die Zukunft noch einiges erhoffen. August Diehl spielt mal wieder den Durchgedrehten, eine Rolle, die ihm schon in „23 – Nichts ist wie es scheint“ ganz gut lag. Einzig Fritzi Haberland konnte mich so gar nicht überzeugen. Das lag weniger an ihrem Talent, sondern vielmehr an der in diesem Film unpassend wirkenden Rolle eines beziehungssüchtigen Mauerblümchens. Sie sorgte gleich an mehreren Stellen für unnötige Komik, die dem Film einiges von seiner Wirkung nahm. Irgendwie passt es eben nicht zusammen wenn nach einem dramaturgischen Höhepunkt des Filmes auf einmal eine Haberland mit (bewusst) lächerlich wirkender Sonnenbrille eine Böschung heruntersaust, weil sie ein Reh gesehen hat. Was sich an Atmosphäre aufgebaut hatte, wurde damit systematisch wieder zerstört.

Fazit: ein Film, der gute Ansätze zeigt, sich aber leider nie so recht entscheiden kann ob er lieber Thriller, Drama oder Komödie sein möchte. Und irgendwo in diesem Wirrwarr bleibt die Unterhaltung/Spannung/Anteilnahme des Publikums auf der Strecke.

Bewertung:

Posted in Film, Meinung

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