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Filmkritik: “All The Boys Love Mandy Lane”

Jun 7th, 2008 by Hausmeister

mandy_lane.jpgSie waren jung, sie waren frei. Sie liebten und begehrten sich und dachten heute noch nicht an das Morgen. Sie tranken, sie feierten und lebten ihre Begierde offen aus. Jeder mit jedem. Und allesamt waren sie die typischen Opferlämmer aus dem Besetzungs-Baukasten, wie es schon Generationen von Teenagern in anderen Thriller-Streifen wie etwa der „Scream“- oder „Final Destination“-Reihe waren. Dumm wie ein Meter Feldweg und zudem nicht fähig, den Hosenstall für fünf Minuten geschlossen zu halten. Und selbst das einzige Mädchen, das durch fehlende Verhaltensstörungen eher positiv auffällt, ist alles andere als normal…

Mandy Lane ist an ihrer Highschool der Traum eines jeden Mitschülers. Eine engelsgleiche Schönheit mit langen blonden Haaren und einem unschuldigen Gesicht. Der ganz besondere Reiz an Mandy Lane: trotz dieser hervorragenden Voraussetzungen fürs Kerbenmachen im Bettpfosten hat sie sich noch von keinem Jungen rumkriegen lassen. Ein Verehrer verlor sogar beim Versuch ihr zu imponieren sein Leben. Nun bekommt Mandy Lane die Einladung einer fünfköpfigen Clique, bestehend aus drei Jungs und zwei Mädels, gemeinsam ein paar Tage auf einer abgelegenen Ranch zu verbringen. Dank fässerweise Bier und geklauten Ritalin-Tabletten vom kleinen Bruder, die man sich zerhackt wunderbar in die Nase zwiebeln kann, könnten diese „few days off“ eine schöne Zeit werden. Wenn da nicht ein irrer Killer um die Ranch schleichen und einen nach dem anderen abmeucheln würde…

Die Konstellation „Unberührbare macht einen Trip mit fünf sexuell aufgeschlossenen Freunden“ klingt erst mal ganz interessant. In einem Drama hätte es viel Spielraum für emotionale Verwicklungen jeglicher Art („Wer mit wem? Und wenn nein: warum nicht?“ oder „Was hat er, was ich nicht habe?“) gegeben. Ich hatte mich schon auf ein entspanntes Wetteifern der drei Kerle um die Gunst von Mandy Lane eingestellt, aber alles sollte ganz anders kommen.

Spätestens bei der ersten düsteren Szene wurde klar, dass wir es hier wieder mal mit einem Vertreter der Fraktion „…und wieder mal muss einer nach dem anderen sterben…“ zu tun haben. Und dabei noch nicht mal mit einem wirklich originellen. Echt enttäuschend: die Ausgangslage hätte so viel mehr hergegeben. Ein tolles Mädchen, drei Kerle, die sie wollen und zwei weitere Mädels, denen zwar klar ist, dass ihre Freunde auf die Unberührbare stehen, ihnen aber dennoch jederzeit gefügig sind (by the way: wie dumm ist das denn bitte?). In einem Film europäischer Machart hätte das so dermaßen viel Potenzial, dass ich beim Anblick der vielen vergebenen Möglichkeiten gar nicht mehr drüber nachdenken will. Den Jungs hätte das Testosteron aus jeder Pore dampfen können, sie hätten ihre Konkurrenz bis auf die Spitze treiben können, sich gegenseitig an die Gurgel gehen können, nur um die Gunst dieser einen Frau zu erlangen. Statt dessen dröhnen sie sich mit einer „Mal sehen was geht“-Einstellung den Kopf zu und lassen ihren Druck mangels Interesse Mandy Lanes dann doch wieder bei den anderen Damen ab.

Alleine die Beziehungen der sechs jungen Leute untereinander hätte so viel Sprengstoff in sich haben können, dass man in Form eines Kammerspiels auf weitere Charaktere hätte verzichten können. Aber nein: da wird wieder auf den bösen Unsichtbaren von außen zugesteuert, der ohne ein wirklich sichtbares Motiv in bester „Zehn kleine Negerlein“-Manier einen nach dem anderen tötet. Chance vertan. Das Ende des Films sollte vermutlich irgendwie überraschend sein. Ob das restlose Verpuffen dieses Aha-Effekts an der Vorhersehbarkeit oder an meinem zu dem Zeitpunkt schon arg gesteigerten Desinteresse lag, ist nicht mal überlegenswert.

Storytechnisch also ein echtes Desaster: nicht nur, dass die verbleibenden Opfer lange Zeit gar nicht mal ahnen, dass der „böse Mann“ umgeht (ein Thriller, in dem nicht ein wenig Angst bei den Opfern aufgebaut wird, wirkt nun mal selten…); auch das Motiv für die Tat – warum es ausgerechnet diese Leute treffen muss – und jegliche Hintergründe bleiben uns verborgen. Und mal ehrlich: ein perfekt funktionierendes Mittel, um dem Publikum die aufregende Frage „Wer ist der Mörder?“ zu ersparen, besteht darin, dass außer den Opfern im ganzen Film nur ein weiterer Charakter in die Story eingeführt wird. Großes Kino…….NOT!

Die Besetzung war ganz in der Tradition von „Final Destination“ & Co. oder jeder beliebigen Casting-Band: für jeden was dabei. Bei den Kerls ein zugedröhnter Lockenkopf, der schlaksige Rudi Rammler, der sich bisher munter durch alle Bundesstaaten gevögelt hat und ein Quoten-Farbiger (seine beste Szene: „Ich bin anders als die anderen Jungen. Küss mich…“. Erinnerungen an die Dialoge der Groteske „Freischwimmer“ werden wach…). Bei den Damen die ach so begehrenswerte Mandy Lane (ein absolut blasses Abziehbild von der ohnehin schon charmelosen Anna Kournikova), ein weiteres Blondchen (das irgendwie hübscher aussah als die Titeldame) und eine Dunkelhaarige. Immerhin wurde auf eine Asiatin verzichtet. Aber: kann man es wirklich als positiv werten, wenn ein Film es nur vermeidet wirklich JEDEN Fehler mitzunehmen?!

Ein Wort zur Dramaturgie: natürlich will man versuchen mit allen Mitteln Spannung zu erzeugen. Und natürlich muss der Zuschauer mitzittern, wenn eine Frau schreiend auf der Flucht vor ihrem vermeintlichen Killer ist. Kriegt er sie? Kriegt er sie nicht? Dass dann aber auf so billiges Opfer-Verhalten gesetzt wurde, ist schon fast grotesk. Natürlich muss ein panisches Mädchen, das von einem Killer mit dem Auto verfolgt wird, zwangsläufig hinfallen. Das ist schon kein Film-Klischee mehr – das ist schon fast ein Naturgesetz. Aber dass sie auf ihrer Flucht von der schwer befahrbaren Wiese zurück auf die Straße rennt, anstatt durch Sträucher und an Bäumen vorbei zu laufen, um den Wagen vielleicht doch abzuschütteln – sorry Jungs, aber das nimmt dem Film auch den letzten Zug von Realismus. Okay, sie war blond und hat bislang auch den üblichen Vorurteilen entsprochen, aber zuviel ist einfach zuviel.

Selbst die wenigen Schock-Effekte wollten nicht so ganz wirken. Anstatt auf Suspense zu setzen, auf die Anspannung „Gleich könnte was passieren“, wird hier einfach in der entscheidenden Sekunde die Lautstärke mächtig aufgedreht. Klar, dass man sich erschreckt, wenn einem der erwartete Schuss in gigantischer Lautstärke durch Mark und Bein geht. Aber diesen Schreck habe ich auch, wenn neben mir ein Regal mit lautem Krach in sich zusammen fällt. Das hat nachhaltig nichts mit der gebotenen Handlung zu tun und baut auch keine weitergehende Spannung auf. Letztlich hat mich diese plumpe Masche, die ein ums andere Mal wiederholt wurde, sogar richtiggehend geärgert.

Dass der Film inhaltlich so vieles meiner Meinung nach komplett falsch macht, ist umso trauriger, weil mir seine visuelle Aufmachung anfangs sehr sympathisch war. Grobkörnige Sequenzen mit satten Farben und harten Kontrasten – so was mag ich ja. Leider bleibt dieser Anspruch, etwas anders zu sein als die anderen, irgendwann aufgrund der lahmen Story auf der Strecke. Einzig der wirklich ausgezeichnete Soundtrack ist eine Empfehlung wert. Melancholische Musik im Stil von Air lässt Erinnerungen an „The Virgin Suicides“ wach werden. Die beste Szene des Films: der Zwischenstop auf der Fahrt zur Ranch, als alle ein wenig herumblödeln, unterlegt mit einer melancholischen Musik. Zumindest wurde in dieser Szene das aufkommende Gefühl von Freiheit und unvergesslichen Stunden einer Jugend gut in Bild und Ton umgesetzt. Aber reicht das?

Was eine Benotung angeht, so schwanke ich irgendwo zwischen vier und fünf. Doch allein, um meiner Enttäuschung Ausdruck zu verleihen, dass hier aus wirklich viel Potenzial viel zu wenig herausgeholt wurde und alles doch nur wieder nach „Schema F“ abgelaufen ist, entscheide ich mich für die schlechtere.

Bewertung:
1 Stern

Posted in Film, Meinung

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