Filmkritik: “Diary Of The Dead”
Nov 10th, 2009 by Hausmeister
Wir erinnern uns sicherlich alle an „Blair Witch Project“. Drei Leute wanderten in einen unheimlichen Wald und begaben sich auf die Spur der alten Blair-Hexe. Dokumentiert wurden ihre Erlebnisse per mitgeführter Videokamera. Durch diese verwackelten Bilder wurde den Zuschauern ein so reales Bild vorgegaukelt, dass viele dank des ausgefeilten und irreführenden Marketings glaubten, eine echte Dokumentation zu verfolgen. Ein solches Verwirrspiel hat es wohl seit der Massenpanik um das Hörspiel „Krieg der Welten“ im Jahr 1938 nicht mehr gegeben.
Nachdem diese innovative Filmtechnik für so viel Aufsehen gesorgt hatte, gingen doch gut zehn Jahre ins Land, bis erneut ein Film auf diesem quasi-dokumentarischen Stil setzte. Im Jahr 2008 sorgten dann „:REC“ und vor allem „Cloverfield“ für Aufsehen. Auch hier wurde durch den Einsatz von Handkameras eine sehr dichte und realistische Atmosphäre geschaffen, die den Zuschauer sehr eindringlich das Fürchten lehrte. Hexen hatten wir, gigantische außerirdische Monster ebenso – fehlen ja eigentlich nur noch die Zombies. Und wer kennt sich bitte mit Zombies besser aus als George A. Romero, der uns nun „Diary Of The Dead“ beschert?
Die Ausgangslage ähnelt sehr dem Geschehen von “Cloverfield”: eigentlich wollte die kleine Gruppe von jungen Erwachsenen gerade einen trashigen Gruselfilm drehen, als sie im Fernsehen beunruhigende Nachrichten mitbekommen. Tote erwachen wieder zum Leben und gehen auf die Menschen los. Im ganzen Land bricht eine Panik aus, Verwüstungen und menschenleere Städte sind die Folge. Da Kameramann Jason sich eher als einen ambitionierten Dokumentarfilmer sieht, nutzt er die einmalige Chance, um das Verhalten seiner Freunde in dieser Ausnahmesituation mit der Kamera festzuhalten. Spontan drückt er einem Freund eine zweite Kamera in die Hand und beide filmen drauf los. Es dauert nicht lange, bis sie auf die ersten Zombies treffen.
Dank eines spannenden Trailers war ich schon lange sehr gespannt auf diesen Film und wurde auch nicht enttäuscht. Das Genre des „Horrorfilms mit leichten Splatter-Anleihen“ ist ja nicht gerade für durchdachte Stories und dramaturgische Tiefe bekannt. Romero hat es jedoch geschafft einen Zombie-Film zu drehen, der neben ein paar handwerklich guten Effekten auch einen gewissen Tiefgang bietet. „Diary Of The Dead“ macht einiges besser, was bei „Cloverfield“ falsch gelaufen ist.
Die beste Neuerung: die zweite Kamera. Während wir bei „Cloverfield“ auf eine einzige Kamera angewiesen waren, deren Ruckeln und Zittern man kaum folgen konnte, merkt man „DotD“ an, dass die Kamera hier augenscheinlich nicht von einem Anfänger geführt wird, sondern von einem angehenden Fachmann. Das Bild ist wesentlich ruhiger und gleicht hier nicht einer wirren Achterbahnfahrt.
In „Cloverfield“ wird dem Zuschauer suggeriert, dass er ein Filmdokument vorgeführt bekommt, das in den Trümmern New Yorks geborgen wurde. Bei „DotD“ handelt es sich um einen Film, der vom Filmemacher Jason professionell geschnitten und nachbearbeitet wurde. Anschließend wurde das Werk ins Internet gestellt, um fernab der zensierenden Medien aufzuzeigen, was wirklich hinter diesem Zombie-Chaos steckt. Entsprechend ist der gezeigte Film nicht unzusammenhängendes Rohmaterial, sondern fast professionell produziert. Zwar teilweise mit einer arg pathetischen Kommentarstimme aus dem Off versehen, wirkt dieser Film doch entschieden wertiger.
Durch die zweite Kamera ergeben sich einige Möglichkeiten, auf die „Cloverfield“ leider verzichtet hat. Wenn sich die Gruppe beim Durchsuchen eines verlassenen Krankenhauses teilt, verfolgt man beide Teams beim Durchschreiten der dunklen Gänge. Ebenso haben mir die kurzen Momente gefallen, in denen ein Kameramann den anderen im Blick hatte und die Perspektive zwischen beiden wechselte. Hier bekommen die Filmer ein Gesicht und verschwinden nicht nur hinter einer einzigen Kamera. Andere Aktionen können dank zwei Kameras aus verschiedenen Blickwinkeln dargestellt werden.
Neben dieser technischen Finesse hat „DotD“ auch inhaltlich überraschend viel zu bieten. Allem voran einen relativ niedrigen Gewalt-Level. Zwar werden mehrere Morde mit jeweils sehr ausgefallenen Details gezeigt – den Film dominiert die Gewalt jedoch nicht. Vielmehr wird der Fokus auf das Verhalten der Flüchtenden gelegt. Was ist passiert? Wie aussichtslos ist die Lage? Wem kann man trauen? Und warum verdammt noch mal läuft immer diese blöde Kamera mit? Der Gesprächsanteil mit Dialogen, die vom Niveau her hoch über dem Genretypischen liegen, hat bei mir viele Pluspunkte gesammelt.
Es fällt schwer bei einem solchen Film dieses Adjektiv zu nutzen, aber ich fand ihn sehr „abwechslungsreich“. Immer wieder wurde die Truppe mit unterschiedlichsten Herausforderungen konfrontiert, begegnete immer wieder anderen Menschen. Auch die Gruppendynamik untereinander wurde auf interessante Weise auf die Probe gestellt.
Gut, es ist ein Romero-Film – da ist klar, dass wir mit überdurchschnittlich viel Blut rechnen müssen. Aber wenn in der einen oder anderen Szene ein wenig an blutigen Details gespart worden wäre, hätte der Film sogar noch besser abschneiden können. Wobei es natürlich grundsätzlich positiv ist, dass in einem Film dieser Art eine Dissonanz zwischen Horror und Anspruch mitschwingt. Im Gegensatz zu vielen anderen Vertretern des Metiers wird hier erstaunlich viel Handlung und manchmal auch Tiefgang geboten, so dass ihm ein plattes „Ist wie ‚Cloverfield’, nur mit Zombies“ bei weitem nicht gerecht wird.
Rating: 















Klingt gut!
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