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Filmkritik: “Paranoid Park”

Jun 28th, 2008 by Hausmeister

paranoid_park.jpgJugend ist doch was Schönes: man hat viele Freiheiten (oder nimmt sie sich zumindest) und muss nicht immer voll und ganz für die Konsequenzen gerade stehen. Alle Türen stehen offen, jeder Weg wird selbst gewählt. Gus Van Sant erzählt in „Paranoid Park“ die Geschichte eines Jugendlichen, der auf einen Schlag erwachsen wird.

Der Paranoid Park in Portland ist eine große Spielwiese für Skateboarder. Illegal angelegt von Jugendlichen, die mit der praktischen Arbeit am Park den elenden Familienverhältnissen entfliehen wollten. Ein Platz, an dem sich jene treffen, die außer Skateboarden nicht viel haben im Leben. So richtig hineinpassen wollen Alex und sein Freund Jared nicht, schließlich kommen sie „aus gutem Hause“. Trotzdem wünschen sie sich nichts mehr als Teil vom Paranoid Park zu werden. Als Alex mit einem der von ihm bewunderten Skate-Kids auf einem Güterzug surft, kommt es zu einem tragischen Unfall. Durch Alex’ Schuld wird ein Wachmann von einem Zug überrollt.

„Wie gehe ich mit der Schuld um?“ Das ist die zentrale Frage des Films, die Van Sant versucht in Bilder zu fassen. Eine Antwort bleibt er zwar letztlich schuldig, doch kann gerade das einen tiefen Einblick in die orientierungslose Teenager-Seele gewähren.

Der Regisseur setzt auf Authentizität. So ist er auf seinen Hauptdarsteller Gabe Nevins nicht durch ein übliches Casting aufmerksam geworden, sondern stolperte bei Myspace über die Seite eines skateboardenden Allerwelts-Kids. Ob man diesem sein mangelndes schauspielerisches Talent anmerken kann oder ob gerade diese Unbedarftheit ein wesentlicher Bestandteil des Films sein soll, kann vermutlich nur Van Sant selbst beantworten.

„Paranoid Park“ ist kein einfacher Film, der sich mal so nebenbei gucken lässt. Durch auffällig lange Kameraeinstellungen ohne offensichtliche Handlung kann der Mainstream-Besucher ebenso abgeschreckt werden wie durch häufige Zeitsprünge und Wiederholungen. Auch ich hatte teilweise große Probleme damit, in dem Film eine durchgeplante Dramaturgie zu entdecken. Wer böse ist, könnte sagen „Der Film plätschert so dahin“, wer es gut meint sagt eher „Es ist halt wie im Leben. Da gibt’s auch genug Leerlauf.“. Fakt ist, dass man die Handlungsebene auf 15 Minuten eindampfen könnte.

Was mich am meisten gestört hat, war die Introvertiertheit von Alex. Nur selten lässt er sich mal ein Wort entlocken. Über die Tat selbst spricht er nie. Auch in einem Tagebuch, in dem er das traumatische Ereignis verarbeiten will, gibt er nie mehr von seinem Gefühlsleben preis als ein paar bedeutungsschwangere Textzeilen. Und so ist der Zuschauer darauf angewiesen in das gefühllose Gesicht mit seinen teilnahmslos wirkenden Augen eine eventuell ja doch vorhandene Gefühlswelt hineinzuinterpretieren. Da hatte ich mir einiges mehr versprochen.

Doch natürlich hat auch dieser Film seine positiven Seiten. Van Sant versteht es zu verdeutlichen, wie allein sich ein Jugendlicher trotz Freunden und Freundin fühlen kann. Eine Beziehung zu seinen in Trennung lebenden Eltern findet quasi nicht statt. Das Auftauchen der Eltern ist in diesem Film auf ein absolutes Minimum reduziert. In den wenigen Szenen, in denen die Eltern mal stattfinden, hört man meist ihre Stimme aus dem Off, sie bleiben fast die gesamte Zeit über gesichtslos.

Alles in allem ein Film, der viel Freiraum lässt für Interpretationen. Dass das Thema fahrlässige Tötung dermaßen banal abgehandelt wird – ohne letztlich zu einem tatsächlichen Abschluss zu kommen – empfand ich als sehr enttäuschend. Sicher kann man auch mal die Schuldgefühle eines introvertierten Täters verfilmen – doch wenn dieser Täter dem Publikum nur die kalte Schlter – respektive sein stummes Gesicht – zeigt, sollte man keinen mitreißenden Film erwarten, der beim Zuschauer wirklich etwas bewegen kann.

Rating: ★★★★★☆☆☆☆☆

Posted in Film, Meinung

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