Filmkritik: “The Happening”
Jun 30th, 2008 by Hausmeister
Mit “The Sixth Sense” hat M. Night Shyamalan einen Film gemacht, der mich über alle Maßen beeindruckt hat. Ich sehe ihn als eine Art Initialzündung für viele weitere Filme, die versuchen, am Ende mit einem überraschenden Aha-Effekt aufzutrumpfen. Viele sind daran gescheitert, keiner hat mich je wieder so weggepustet wie die Geschichte um den kleinen Jungen, der lebende Tote sieht.
Den folgenden Produktionen Shyamalans war nicht allzu viel Erfolg beschieden. Sein letztes Werk „Lady In The Water“ wurde von den Kritikern in der Luft zerfetzt und als selbstgemachter Abgesang kommentiert. Mit „The Happening“ bietet er nun wieder düster-mystische Unterhaltung – ohne Überraschungseffekte.
Zur Story: im Central Park in New York geht etwas seltsames vor sich. Vom einen auf den nächsten Moment begehen massenweise Menschen Selbstmord. Sie stechen sich Haarnadeln in die Halsschlagader und springen aus hohen Gebäuden. Ein neuer Terror-Anschlag auf die „City that never sleeps“? Der Biologie-Lehrer Elliot aus Philadelphia erfährt aus den Nachrichten von dem Vorfall. Aus Angst vor einer weiteren Verbreitung des Phänomens setzt er sich mit seiner Frau und einem Arbeitskollegen in einen Zug Richtung Westen. Als kurze Zeit später die Verbindung zu den Bahnhöfen abbricht, beendet der Zug seine Fahrt in einem menschenleeren Gebiet. Die Zuginsassen sind auf sich allein gestellt.
Vorab habe ich nicht viel Gutes über diesen Film gehört. Dennoch wollte ich mir selbst ein Bild davon machen, warum dieser Film, dessen Thematik mich grundsätzlich anspricht, so dermaßen verrissen wird. Skeptisch war ich, also konnte „The Happening“ meine Erwartungen ja nur übertreffen.
Erst mal zur Vorwarnung: der Trailer hat in diesem Fall zwar nicht wirklich viel über das eigentliche „Happening“ verraten, aber er hat fast alle eindringlichen Szenen vorweggenommen. So gut wie am Anfang, als sich die Auswirkungen auf die New Yorker Bevölkerung zeigen, will der Film in seinem 90minütigem Verlauf leider nicht mehr werden. Dennoch ist der Film meiner Meinung nach kein kompletter Rohrkrepierer, wie es so viele Medien darstellen.
Sicher, manche Dialoge sind sehr hanebüchen. Auch über die visuelle Umsetzung der Bedrohung kann man sicherlich geteilter Meinung sein – ich fand sie wie so viele andere schlicht lächerlich. Und dennoch: in vielen Szenen wird eine sehr bedrückende Stimmung aufgebaut, die mich den Atem anhalten ließ. Und allein dieser Stimmung ist es zu verdanken, dass dieser Film nicht komplett versagt.
Hauptdarsteller Mark Wahlberg bleibt weit unter seinen Möglichkeiten. Wer ihn in „The Departed“ gesehen hat, wird merken, dass er hier seine Rolle auch unausgeschlafen und ungefrühstückt mit links spielen kann. Herausfordernd war die Charaktergestaltung wirklich nicht. Schade, denn gerade in solchen Ausnahmesituationen, wie sie in „The Happening“ geschildert werden, liegen die Nerven doch blank; kommt es zu Auseinandersetzungen mit anderen Menschen. Aber um da mehr in eine psychologische Tiefe zu gehen, hätte man auch gute Dialoge gebraucht. Teufelskreis.
Die ganze Geschichte hat allerdings ein riesengroßes Logik-Problem. In hinlänglich bekannten Filmen über „böse Viren“ gibt es zwei Möglichkeiten: a) betroffene Menschen werden zu wilden Bestien und gehen auf Gesunde los oder b) sie stecken weitere Menschen mit dem meist todbringenden Virus an. Erinnern wir uns an „Dawn Of The Dead“, „28 Days Later“ oder „Outbreak“. Auch in „The Happening“ fallen die Erdenbürger einer Seuche anheim. Vom Grundsatz her ist es sogar mal was Neues: kein Blutrausch, sondern einfach eine Umkehrung des Selbsterhaltungstriebes. Dem Gesetz der Logik folgend kommt es dadurch zu einer langweiligen Konsequenz: auf Selbstmord fixierte Menschen werden anderen nicht gefährlich. Wenn die Gefahr also nicht von wild gewordenen Menschen ausgeht, sondern von etwas unsichtbarem Unerklärlichen – wo bleibt da der Kick? Auf der Strecke.
***Spoiler***
Komplett enttäuscht war ich vom Ausgang der Geschichte. Hier wurden extremst Erinnerungen an Spielbergs „Krieg der Welten“ wach. Wenn sich plötzlich die alles vernichtende Bedrohung so **piff** in Luft auflöst, ist das für den Zuschauer sehr unbefriedigend. „The Happening“ liefert schlussendlich nicht einmal ansatzweise eine Erklärung, warum das Phänomen sich von null auf jetzt in Nichts auflöst. Die damit verbundene Botschaft, dass viele Zusammenhänge in der Natur zwar beobachtet, nicht aber erklärt werden können, ist zwar gut gemeint – aber leider weit entfernt von gut gemacht. Da bot selbst „Krieg der Welten“ mehr.
***Spoiler***
Was bleibt ist ein Film, mit dem Shyamalan nicht an sein altes Glanzstück anknüpfen kann. Aber immerhin ist ihm ein Film gelungen, der über weite Strecken nicht weh tut und in wenigen Momenten sogar zu fesseln vermag. Damit schafft er zumindest mehr als so manch anderer.
Rating: 















Deine prinzipielle Einschätzung teile ich. Auch ich wollte mich erst mal selber vom Wahrheitsgehalt der vernichtenden Kritiken überzeugen, denn nicht selten fängt einer an zu meckern und zehn schreiben davon ab.
Und wirklich war ich zwischen Begeisterung und Enttäuschung angesichts von tollen Bildern und guter Story sowie schlechten Schauspielern und ebensolchen Dialogen hin und her gerissen.
Das Ende habe ich nur irgendwie anders im Hinterkopf. “Aufgelöst” hat sich das Problem doch eben gerade nicht, oder?
nun ja, in der handlung, die man verfolgt, also die geschichte eben dieser hauptdarsteller, da verpufft das problem schon. und diese drangehängte, meiner meinung nach aber fantasielose, szene kann da auch nicht mehr groß was reissen.
ich fand die idee des films einfach super. endlich mal etwas ganz anderes. und die ersten 5 minuten sind ja auch unheimlich gut. aber diese schnelle auflösung der problematik und die stumpfen, langweiligen charaktere brachten mich zur verzweiflung. daraus hätte man so viel mehr machen können. außerdem dieses unlogische verhalten…. ätz…