Filmkritik: “Funny Games”
Jul 5th, 2008 by Hausmeister
Regisseur Michael Haneke fand den Stoff seines 1997 gedrehten Films „Funny Games“ so gut, dass er beschlossen hat, zehn Jahre später eine Neuverfilmung zu produzieren. Während in „Funny Games U.S.“ Naomi Watts („King Kong“, „Eastern Promises“) eine Hauptrolle spielt und damit ein deutliches Zeichen setzt, dass die Neuverfilmung auf den amerikanischen Markt abzielt, gab es in der Urfassung mit Susanne Lothar und Ulrich Mühe zwei echte Schauspiel-Schwergewichte aus Deutschland zu sehen.
Die Story: gemeinsam mit ihrem 10jährigen Sohn Schorschi wollen Anna und Georg eine Urlaubswoche in ihrem abgelegenen Ferienhaus am See verbringen. Schon kurz nach ihrem Eintreffen stehen zwei junge Erwachsene von einem Nachbargrundstück in der Tür und erschleichen sich unter einem Vorwand den Einlass ins Haus. Schnell entpuppen sich die beiden als Gewalttäter und zertrümmern dem Vater mit einem Golfschläger das Knie. Es beginnt ein stundenlanges sadistisches Spiel mit tödlichem Ausgang.
Haneke wurde in den vergangenen Jahren für „Funny Games“ heftigst kritisiert. Umso erstaunlicher ist es, dass er es tatsächlich wagte, diesen kontroversen Stoff erneut zu verfilmen. Doch wer dem Film vorwirft, eine „perverse Darstellung von Gewalt“ oder gar eine „Gewalt-Orgie“ zu sein, der hat die Intention Hanekes nicht verstanden.
Das wohl auffälligste Zeichen dafür, dass „Funny Games“ eben keine perverse Darstellung der Gewalt ist, ist die Tatsache, dass die Gewalt schlicht und einfach nicht dargestellt wird. Im Gegensatz zu all den anderen Filmen mit ähnlicher Thematik passiert hier alle Gewalt im Off, für den Zuschauer nicht ersichtlich. Zwar ist das „Kino im Kopf“ auch sehr wirkungsvoll – wer sich aber an einer Gewalt-Orgie erfreuen möchte, wäre eindeutig im falschen Film.
Vielmehr geht es darum, die bedrückende Situation der bedrohten Familie zu zeigen. Die Hilflosigkeit und Erniedrigung. Es geht darum, wie schnell der Schutz des Eigenheims aufgebrochen werden kann. Haneke zeigt die Allmachtsfantasien der Täter auf, die gottgleich über Leben und Tod entscheiden. Und es geht nicht zuletzt darum, wie Täter stundenlang quälen können, ohne dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden. Nach der Tat folgt hier kein Rache-Drama, geprägt vom Wunsch nach Verurteilung oder gar Vergeltung. Und genau aus diesem Grund hinterlässt „Funny Games“ ein sehr unangenehmes Gefühl im Magen.
Bei der Besetzung ist Haneke 1997 ein Geniestreich gelungen: an der Seite des quasi-oscarprämierten Ulrich Mühe spielt dessen (damals noch zukünftige) Frau Susanne Lothar, die als Theaterdarstellerin schon seit Jahrzehnten eine gute Figur machte. In Filmen ist sie eher selten zu Gast – wenn auch jüngst wieder in „Fleisch ist mein Gemüse“. Ihre eindringliche Darstellung einer geschundenen und gedemütigten Frau geht tief unter die Haut und verursacht beim Zuschauer fast physische Schmerzen. Allein ihr Spiel macht diesen Film schon sehenswert. Doch auch Mühe überzeugt als Mann, der halb wahnsinnig wird, weil er als bewegungsunfähiger Krüppel dem Terror nichts entgegensetzen kann. In der Rolle der Bösewichter brillieren Arno Frisch als überheblicher Anführer mit einem teuflisch morbiden Österreich-Akzent und mein Sympathie-Buddy Frank Giering („Absolute Giganten“ und “Clowns”) als dessen verweichlichter Mitläufer.
„Funny Games“ ist ein Film, der schwer zu ertragen ist, zeigt er doch auf, wie verletzlich unsere heile Welt von einer auf die andere Sekunde sein kann. Es ist sicherlich ein Film, ohne den die Welt sich trotzdem weiter drehen würde. Aber meiner Meinung nach hat diese realistische Darstellung von Opfern, die Konfrontation des Zuschauers mit der intensiv dargestellten Hilflosigkeit, mehr Daseinsberechtigung als so mancher „Saw“-Abklatsch.
Rating: 















Warum nur 6/10?
Weil er mich dann doch nicht so weggepustet hat, wie ich es eigentlich erwartet hatte. Er hatte doch einige Längen, die zwar irgendwie notwendig waren, aber dem Film auch ein wenig den “Drive” genommen haben.