Filmkritik: “Schmetterling und Taucherglocke”
Aug 12th, 2008 by Hausmeister
Es gibt nicht viele Filme vor denen ich Angst habe. In der Vergangenheit zählten zu dieser Handvoll Filme vielleicht „Der Soldat James Ryan“, dessen D-Day-Anfangsszene schon sehr heftig ist oder „Der freie Wille“, in dem eine Vergewaltigungsszene ohne erleichternde Schnitte dokumentiert wird. Auch an „Schmetterling und Taucherglocke“ geht man automatisch mit einem gewissen ängstlichen Respekt. Zu intensiv ist die erzählte wahre Geschichte, als dass man dazu eine zuschauerliche Distanz wahren könnte.
Der Film handelt von Jean-Do, der früher einmal Chefredakteur der französischen „Elle“ war. Nach einem Hirninfarkt, gefolgt von einem dreiwöchigen Koma, ist er fast komplett gelähmt. Einzig sein linkes Auge ist funktionsfähig. Kann er es anfangs nur zum Sehen nutzen, erlernt er mit Hilfe einer Logopädin einen Weg, seinen Worten durch Augenblinzeln Ausdruck zu verleihen. Durch diese sehr zeitintensive Technik ist es ihm sogar möglich, ein Buch zu diktieren.
Dieser Film bedeutet Leiden. Die ersten Sekunden des Films zeigen das Erwachen Jean-Dos aus dem Koma – mit seinen Augen. Die entfernt klingenden Stimmen sowie das verschwommene Bild, das nur langsam klarer wird, ziehen einen direkt in die Geschichte, lassen einen den Atem anhalten. Auch ich als Zuschauer fühlte mich den kompletten Film über fast unfähig mich zu bewegen, so intensiv wurde die Lebenswelt von Jean-Do eingefangen. Gerade die vielen Einstellungen aus der seiner Perspektive heraus und seine dazugehörigen – von der Außenwelt ungehörten – Kommentare aus dem Off, geben diesem Film sehr viel Bedrückendes mit auf den Weg.
Verantwortlich hierfür ist vor allem Janusz Kaminski, seines Zeichens der „Stamm-Kameramann“ von Steven Spielberg. Er schafft es nicht nur die Hilflosigkeit von Jean-Do, sondern auch seine Fantasie in faszinierende Bilder einzufangen. Kein Wunder, dass diese hervorragende Arbeit für den Oscar nominiert war.
Eigentlich kann man diesen Film nur als ein Gesamtkunstwerk werten, hält sich doch die Rahmenhandlung sehr minimal. Und dennoch: an einigen Stellen wirkt der Film ein wenig zu langatmig. Vielleicht hätten zwei, drei Minuten herausgekürzt werden können. Längere Strecken ohne Handlung gibt es jedoch nicht.
Soviel sei verraten: auch wenn Jean-Do minimalste Fortschritte macht, so hat dieser Film doch wie im echten Leben kein Happy End. Niemand wird mit guter Laune aus dem Film gehen. Und dennoch finde ich es sehr wichtig, auch diese unangenehmen Aspekte des Lebens nicht komplett auszublenden. Regisseur Julian Schnabel ist es gelungen einen Film zu machen, der den Zuschauer fast selbst zum Betroffenen werden lässt. Gerade diese Identifikation mit dem Leidenden kann ein Schritt auf dem Weg sein, Behinderte in unserer Gesellschaft zu tolerieren.
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Ein tragisches Kleinod, das mir vor allem die Vergänglichkeit der eigenen Gesundheit bewusst werden lies. Sich jeden Tag eigenständig frei bewegen zu können ist keine Selbstverständlichkeit, obwohl wir sie also eine solche erleben. Ich war auch sehr berührt, nach dem ich diesem Film gesehen habe. Er lohnt sich wirklich. Die Tatsache, das dieser Film, wie du schreibst, offenbar von Profis gedreht wurde trägt jenem Umstand sicher Rechnung.