Experience: “The Dark Knight” im IMAX New York
Aug 29th, 2008 by Hausmeister
Nein, das kann hier keine ganz normale Filmkritik werden. Auch wenn ich mit Sprüchen wie „Genialer Film“ und „Meisterwerk“ in das gleiche Horn blase wie viele Kritiker, muss ich mich doch der großen Masse anschließen. Für mich war das nicht nur ein Film, sondern eine lange währende „Experience“…

Das Ticket zum ultimativen Kinoglück
Angefangen hat es schon vor mehr als einem Jahr. Damals kaufte ich mir auf dem Flughafen von Oslo die britische Filmzeitschrift „Empire“, die ein großes Special zu „The Dark Knight“ brachte. Und so war ich schon mehr als ein Jahr vor Veröffentlichung des Films absolut heiß auf den Streifen. Der inzwischen von mir offiziell zu meinem Lieblingsschauspieler erklärte Christian Bale als Superheld sowie die ganzen Gerüchte, die damals herumgingen, machten mich richtig gierig. Als dann zum Jahresbeginn unser USA-Urlaub geplant wurde, war klar, dass wir „The Dark Knight“ möglichst in den Staaten gucken wollen. Bestenfalls natürlich in der Stadt, die Pate stand für Gotham City: New York. Und so verschlug es uns knapp zwei Wochen vor Bundesstart in ein IMAX-Kino am Lincoln Square, um dort nicht nur den Film im Original zu sehen, sondern die IMAX-Version „The Dark Knight – The IMAX-Experience“. Und was soll ich sagen: er hat mich weggeblasen!
Die Story ist schnell erzählt: ein Jahr nach der Handlung von „Batman Begins“ ist in Gotham City fast Ruhe eingekehrt. Die Kriminalitätsrate ist stark gesunken, so dass Bruce Wayne alias Batman überlegt, seinen Job als Wächter über die Stadt an den Nagel zu hängen. Er möchte die Rolle des Saubermanns am liebsten dem neuen Staatsanwalt Harvey Dent übergeben, der rigoros gegen Kriminelle vorgeht. Doch in der Unterwelt wächst ein Aufbegehren:der chaotisch veranlagte Joker bietet den führenden Köpfen der Unterwelt an, Batman zu töten. Im Gegenzug will er die Hälfte des mafiösen Umsatzes, der dann endlich wieder in die Gänge käme. Lässt sich Batman von dieser neuen Bedrohung einschüchtern oder neigt er zur „Jetzt-erst-recht“-Attitüde?
Klar, der Hype um diesen Film war – vor allem in den Staaten – sehr groß, so dass ich unweigerlich mit in den Strudel gezogen werden musste. Auch klar, dass die Rolle von Heath Ledger in seinem letzten Streifen eine ganz besondere Note haben würde, die dem Film noch ein kleines Portiönchen morbiden Charme extra verleihen würde. Aber dass der Film mich dermaßen aus der Bahn werfen würde, hätte ich nicht gedacht. Von der ersten bis zur letzten Minute starrte ich gebannt auf die überdimensionale IMAX-Leinwand, war überwältigt von actionreichen Bildern und sattem Sound. Selbst eine halbe Stunde nach Filmende hatte sich das Adrenalin in meinem Körper noch nicht vollends wieder beruhigt.
Was macht diesen Film für mich also so genial? Zuerst einmal natürlich die Story, deren Tiefe meiner Meinung nach weit über das hinaus geht was uns Superhelden wie „Spiderman“ bisher geboten haben. Nie wurde die beiderseitige Abhängigkeit von Gut und Böse dermaßen spannend umgesetzt. Besonders die Einführung des zweiten Bösewichtes „Two Face“ verleiht dem Film noch eine weitere Dimension, die ihm zurecht die Bezeichnung „Drama“ beschert.
„Iron Man“ war für sich ein wirklich genialer Film, den ich gerne wieder und wieder gucken würde – in Sachen Handlung spielt sich das Schaffen und Tun von Tony Stark aber nur auf einer Hochglanz-Ebene ab. Eine schöne, glänzende Plastik (Eisen)-Welt. In „The Dark Knight“ hingegen wirkt alles wesentlich düsterer, schmutziger, realer. Er lebt nicht nur von seinen Action-Szenen und der tollen Optik, sondern auch von seinen spannenden Dialogen, die mir so noch bei keinem Superhelden-Film untergekommen sind. Glanzpunkt sind sicherlich die Verhörszenen mit dem Joker.

Schon das Foyer macht Lust auf mehr
Und da wären wir dann auch schon bei dem Punkt, an dem man in diesem Film einfach nicht vorbei kommen kann: der Joker – Heath Ledger. Mag sein, dass Ledgers Tod und das Wissen darum dem Film noch eine besondere Note gibt. Ich bin jedoch der Meinung, dass auch ohne diese reale Tragik seine Rolle absolut oscarverdächtig wäre. Ich bin immerhin schon 35 Jahre alt, habe so manchen Film gesehen, aber ich bin der festen Überzeugung, dass ich noch nie einen fantastischeren Bösewicht gesehen habe als den Joker in „The Dark Knight“. Auch muss ich mich der landläufigen Meinung anschließen, dass Ledger sich mit dieser Rolle selbst ein Denkmal gesetzt hat. Wie er diesen Psychopathen verkörpert, der nur blind auf Zerstörung aus ist, auch wenn es seine eigene Zerstörung beinhaltet, ist fantastisch. Gestik, Mimik – einfach perfekt. Diese leicht sabbernden Geräusche beim Sprechen, die aufgeregte Stimme, aus der das Chaos spricht, die verwaschene weiße Schminke im Gesicht. Fast bin ich geneigt zu sagen, dass ich wohl nie einen perfekteren Bösewicht sehen werde. Zumindest sehen dagegen Bösewichte wie Jack Nicholson oder Anthony Hopkins aus wie Wiener Domspatzen. Es gab kaum eine Szene mit dem Joker, die keine Gänsehaut verursachte. War er gerade mal nicht zu sehen, sehnte man sich nach dem nächsten charismatischen Auftritt des Oberbösewichtes. Heftig, heftig, heftig. Der Joker war purer Thrill, ausgemachtes Chaos, Unberechenbarkeit – und damit das krasse Gegenteil zum Bösewicht aus „Iron Man“, gespielt von John Hurt. Der hatte kein Charisma.
Genau gegensätzlich die Ausgestaltung der Superhelden selbst: da konnte Robert Downey Jr. als Tony Stark doch einiges für sich verbuchen. Obwohl ich Bale inzwischen wirklich sehr mag, geht er als Hauptperson Batman in dem Film doch gegen den Joker ziemlich unter. Zwar spielt er gut und gibt auch glaubwürdig eine Person wieder, die mit sich selbst im Zweifel steht – durch das imposante Spiel Ledgers wird jedoch so ziemlich jede Aktion von ihm in den Schatten gestellt. Die weiteren Nebenrollen werden jedoch teils sehr gut gefüllt: Morgen Freeman ist wieder mal der sympathische Technik-Freak mit Hang zur Moral, Michael Caine ist die menschgewordene Ausgeburt eines charmanten britischen Dieners, Gray Oldman erinnerte mich in diesem Film – ganz im Gegensatz zu „Batman Begins“ – mal nicht an Ned Flanders aus den Simpsons. Und selbst Aaron Eckhardt, der mir sonst immer zu aalglatt scheint (vielleicht durch seine aalglatte Lobbyisten-Rolle in „Thank You For Smoking“?), konnte durchaus gefallen. Schade, dass Maggie Gyllenhaal als einzige Frau im Cast nicht ansatzweise den Charme versprühte wie Gwyneth Paltrow es in „Iron Man“ zu tun vermochte. Gerade durch ihr unauffälliges Spiel geht dem Film einiges an Dramatik verloren, hat sie doch eine Schlüsselfunktion inne, die man wesentlich besser hätte herausarbeiten können.
Will man dem Film was Böses, so könnte man noch bemängeln, dass viele Action-Szenen mehr durch ihre Soundgewalt gewirkt haben als durch eine ausgeklügelte Choreographie. Ab und an war es schon etwas unübersichtlich. Batmans Stimme ist diesmal ein wenig arg tief geraten und klingt teilweise eher wie ein langgezogenes Grunzen, das eher zum Lachen bringt als Respekt einflößt. Ebenso könnte man die Umkehr eines „Guten“ zum Bösen als etwas an den Haaren herbeigezogen deuten. Egal. Dieser Film war einfach über zweieinhalb Stunden absolute Oberklasse! Und wer komplett in die Handlung reingesogen wird, dem sind solche Kleinigkeiten ziemlich wumpe.
Und was ist nun mit der IMAX-Experience? Einzelne Szenen des Films wurden im speziellen IMAX-Format gedreht, das stimmt schon. Doch wer nun glaubt einen komplett anderen Film zu sehen, der irrt. Geschätzte zehn Minuten der gesamten Filmlänge werden dem Zuschauer in IMAX_Qualität geliefert. Dabei wirken vor allem die Draufsichten auf die Häuserschluchten Gotham Citys besonders imposant. Auch in einigen Action-Szenen wird aus dem normalen Widescreen-Format der Kinoleinwand plötzlich – meist fast unmerklich – das ca. 4:3-Format des IMAX-Kinos. Auffällig war für mich vor allem, dass die IMAX-Bilder wesentlich schärfer waren als die normalen Sequenzen. Im Hinblick auf digitales Kino mit besserem Bild kann man sich da wohl auf noch so einiges freuen. Fazit: ein komplett anderer Film wird „The Dark Knight“ durch IMAX zwar nicht, er wertet ihn aber an einigen Stellen schon merklich auf – so unnötig diese Aufwertung auch scheinen mag.
Fazit: „The Dark Knight“ ist für mich sicherlich der Film des Jahres, kann er doch meinen bisherigen Favoriten „Iron Man“ noch mal um einiges toppen. Mehr Story, mehr Tiefe, glaubwürdigere Charaktere. Doch wenn ich ehrlich bin ist „The Dark Knight“ für mich „Der Heath-Ledger-Film“. Jener Film, in dem man in jeder Joker-Einstellung zwischen den Zeilen lesen kann: „Seht her was für ein begnadeter Schauspieler ich gewesen bin.“. Mit diesem Film stößt Ledger sogar James Dean mit seinem „…denn sie wissen nicht was sie tun“ vom Thron der „Denkmal-Filme“. Alles was mir bleibt ist eine ehrfurchtsvolle Verneigung und ein absolutes „Dafür!“ für einen posthumen Oscar. Wer mich so schocken kann, der hat das Goldmännchen verdient.
Rating: 









Und für alle, die nach zweieinhalb Stunden Hochspannung Hunger haben:

Die Batman-Pizza






[...] Film in einen IMAX-Kino zu erleben, wie es der Hausmeister unlängst tat, könnte den Genuss dieses Kinoereignisses umso mehr [...]