Filmkritik: “Grace is gone”
Aug 30th, 2008 by Hausmeister
Dass heutzutage auch Frauen ihren Dienst in den Armeen dieser Welt ableisten, ist fast schon nichts besonderes mehr. Dennoch ist die Thematik, die James C. Strouse in seinem Film „Grace is gone“ aufgreift eher ungewöhnlich. Denn auch Soldatinnen können im Kriegseinsatz sterben. Wie Witwer und Kinder mit dem Verlust umgehen, ist cineastisch unbeackertes Land. Fruchtbarer Boden, um daraus ein rührendes Drama zu machen.
Stanley ist ein typischer „Good American Guy“. Er arbeitet in einem Heimwerkermarkt und ist durch und durch ein Patriot. Daher ist er sehr stolz auf seine Frau. Während er sich um die beiden Kinder Heidi und Dawn kümmert, kämpft seine Frau Grace im Irak für die Freiheit und amerikanischen Werte im Irak. Als eines Tages zwei Armee-Angehörige bei ihm klingeln und ihm die Nachricht vom Tod seiner Frau überbringen, gerät Stanleys Weltbild stark ins Wanken. Anstatt seine Kinder mit der traurigen Wahrheit zu konfrontieren, beschließt er mit ihnen „etwas verrücktes zu machen“. Spontan setzt er die beiden ins Auto und macht sich auf den Weg nach Florida in einen Vergnügungspark. Er versucht seinen Kindern alle Wünsche zu erfüllen, in der irrationalen Hoffnung, ihnen damit die Nachricht über den Verlust erträglicher zu machen.
Eine vorab gelesene Kritik ließ meine Erwartungen an diesen Film schnell schrumpfen. Umso schöner, dass „Grace is gone“ mich positiv überraschen konnte. John Cusack, der unlängst in „The Contract“ keine allzu gute Figur machte, stellt sein schauspielerisches Talent doch mal wieder eindrucksvoll unter Beweis. Sehr eindringlich gibt er den langweiligen Allerweltsmann, der auf Biegen und Brechen mal „voll aufdreht“, um seine Kinder vor einer bitteren Wahrheit zu schützen. Cusack überzeugte mich sowohl in den Szenen, in denen er mit einem schon fast stoischen „Mir geht’s gut“ alle Probleme aus der Welt reden will, als auch in jenen Szenen, in denen sich die Trauer und Verzweiflung ihren Weg durch seine versteinerte Fassade bahnen.
Ihm an die Seite gestellt sehen wir zwei Kinder, die für ihr Alter beachtliches leisten. Vor allem Shélan O’Keefe wirkt in ihrer Rolle als ältere Schwester Heidi sehr glaubwürdig, fast schon zu erwachsen. Sie ist die rationale, vernunftgesteuerte Tochter, bei der man ewig das Gefühl hat, als wenn sie wüsste, dass „etwas im Busch“ ist. Das krasse Gegenteil ist ihre kleine Schwester Dawn, gespielt von einer putzmunteren Gracie Bednarczyk, die man sofort ins Herz schließen muss. Spontaneität, Spaß und leichter Hang zum Chaos, gepaart mit einem lustigen Wuschelkopf und einem frechen Lächeln. Ein Schwesternpaar, das gegensätzlicher nicht sein könnte und gerade dadurch dem Film viel von seiner Würze gibt.
Natürlich ist das Ende schon von Beginn an absehbar und der Weg dahin wirkt manchmal ein wenig zu behäbig. Und dennoch: für mich hatte der Film durchaus einige Schlüsselmomente, die mich sehr bewegt haben. Augenblicke, in denen ohne große Worte, sondern vielmehr durch Unausgesprochenes doch so viel gesagt wurde. Der eine mag es kitschig finden – ich vielleicht auch an anderen Tagen -, aber in der richtigen Stimmungslage kann der Film einen wirklich berühren. Der hervorragende Soundtrack von Altmeister Clint Eastwood trägt zudem viel zu der ruhigen Stimmung bei.
Natürlich muss ein Film über Trauer immer ein wenig langatmiger ausfallen, weit tragender daherkommen als ein Liebesdrama. Ein wenig mehr Schwung hätte dem Film dennoch gut getan. Hier wurde einiges verschenkt. Gerade die Szenen, in denen Stanleys grundverschiedener Bruder John auftaucht, haben mal ein wenig Leben – und bleiben leider viel zu kurz. Schade auch vor allem deswegen, weil die Diskussion über Sinn und Unsinn des Militäreinsatzes im Irak in einem Gespräch zwischen Stanley und John doch arg kurz gehalten wurde.
Umso besser – wenn nicht gar hervorragend – finde ich die Wahl des Titels: „Grace is gone“. Steht „Grace“ doch nicht nur für den Namen der gefallenen Gattin, sondern auch für das englische „Anmut, Grazie“. Der Film ist ein gutes Beispiel dafür, wie schnell der in den Himmel gelobte „Dienst für das Vaterland“, der „jeden mit Stolz erfüllen soll“ seine Schattenseite offenbaren kann. Wie schnell aus der ehernen Verpflichtung ein stupides Himmelfahrtskommando werden kann. So schnell ist all die Anmut weg und man kracht auf den Boden einer sinnlos erscheinenden Realität.
Fazit: „Grace is gone“ ist ein kleiner, feiner Road-Movie, der vermutlich bei einer Flasche Rotwein beim heimischen DVD-Abend seine volle Wirkung entfalten kann. Ein Pflichttermin im Kino ist er hingegen nicht.
Rating: 














