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Filmkritik: “Wanted”

Sep 8th, 2008 by Hausmeister

Der Name des russischen Regisseurs Timur Bekmambetov steht für Filme der ganz besonderen Art: Optik hui – Story … hää? Mit seinen beiden neuzeitlichen Vampir-Filmen „Wächter der Nacht“ und „Wächter des Tages“ sorgte er vor einigen Jahren für Aufsehen. Mit einem Budget von jeweils gerade mal 4 Millionen Dollar zauberte er ein optisches Feuerwerk auf die Leinwand und konnte sich als einer der erfolgreichsten Regisseure des ehemaligen Weltreichs feiern lassen. Nun also „Wanted“, der erste Hollywood-Film von Bekmambetov, dessen visuelle Fantasien ich wirklich klasse finde. Und im Gegensatz zu den in Russland produzierten Filmen, komme ich auch noch in den Genuss von den von mir sehr geschätzten James McAvoy und Morgan Freeman sowie der optisch herausragenden Angelina Jolie.

Zur Story: Wesley Gibson ist ein echter Verlierertyp. Er hasst seinen Bürojob, seine Freundin betrügt ihn mit einem strunzdummen Arbeitskollegen und nur mit einer täglichen Dosis Tabletten bekommt er seine Angstzustände einigermaßen in den Griff. Sein Leben wendet sich um 180°, als er in einer Apotheke auf die bildhübsche Fox trifft. Sie offenbart ihm, dass Wesleys unbekannter Vater einer der legendärsten Auftragskiller aller Zeiten war, der vor kurzem von einem anderen Killer getötet wurde. Wesleys Unglaube wird ihm nur Sekunden später ausgetrieben, als eben jener Killer in der Apotheke auftaucht und das Feuer eröffnet. Dank Fox kann Wesley entkommen und erfährt von ihr nun mehr von einer geheimen Gruppierung namens „Die Bruderschaft“, die das Schicksal der Erde seit Jahrhunderten dadurch beeinflusst, dass sie potenzielle Bösewichte rechtzeitig eliminiert. Wesley will den Tod seines Vaters rächen und dessen Mörder töten. Hierfür lässt er sich von der Bruderschaft zum Killer ausbilden.

Okay, die Story ist ein wenig hanebüchen. Geheime „Bruderschaften“ sind nichts wirklich Neues und auf die Tatsache, dass die Auftragskiller ihre Zielpersonen mithilfe von Webfehlern in gewobenen Stoffen ermitteln, hätte ich auch verzichten können. Aber hier gilt das Gleiche wie für die beiden Vorgängerfilme Bekmambetovs: Hirn aus – Augen auf – Spaß haben!

Der Film überzeugt vor allem durch seine hervorragende Optik. Viele Stunts sind atemberaubend. Wie schon in „Wächter der Nacht“ werden auch in „Wanted“ die Gesetze der Physik gerne ein wenig freier ausgelegt. Wir erinnern uns an den Sportwagen, der in „WdN“ mal kurz vertikal die Wand hochfuhr… Im ersten Moment muss man amüsiert den Kopf schütteln, nur um Sekunden später zu sagen: „Ja, nee. Is’ klar. Aber heilige Sch…, sah das geil aus!“.

Vergleichbar ist diese Fülle an Effekten wohl am besten mit „Shoot ´em up“. Auch dort wurde der Realismus den Effekten geopfert – was sich hervorragend ausgezahlt hat. Eine Szene aus dem Finale wirkt fast wie 1:1 aus „Shoot ´em up“ entnommen. Und auch bei „Wanted“ merkt man an vielen Stellen, dass der Film sich selbst nicht allzu ernst nimmt. Vor allem in der ersten Stunde, die sich hauptsächlich mit Wesleys Ausbildung zum Killer beschäftigt, gibt es viele amüsante Szenen, viele eingebaute Lacher, die einfach nur unterhalten sollen.

James McAvoy macht seine Sache ausgezeichnet. Anfangs hatte ich Zweifel, wie die Wandlung vom grauen Office-Guy zum Actionhelden funktionieren sollte. Im Rahmen des Films wurde diese Wendung aber recht glaubwürdig erklärt, frei nach dem Motto: „Deine Schwäche ist eigentlich deine Stärke!“ Und mehr und mehr verblasst das Bild eines McAvoy, der in „The Last King Of Scotland“ einen unerfahrernen, milchgesichtigen Jung-Arzt spielt. Langsam wirkt er tatsächlich erwachsen, kann sich mit „Wanted“ von seinem bisher meist harmlosen Auftreten hervorragend lösen.

Morgan Freeman, der gefühlt in inzwischen jeder zweiten Hollywood-Produktion mitspielt (wir sahen ihn direkt im Anschluss noch einmal in „The Dark Knight“…), machte seine Sache gewohnt gut, wenn auch nicht herausragend. Standard. Auch Jolie macht wieder das, was sie am besten kann: die geheimnisvoll-dominante, allseits alles unter Kontrolle habende Abenteuerin spielen, die anderen gerne mal aus der Patsche hilft. Lara Croft eben. Immerhin hübsch anzusehen.

Kleiner Wermutstropfen: aufgrund der Vorabkritiken, die Vergleiche mit der actionmäßigen Schlagzahl von „Shoot ´em up“ oder „Crank“ zogen, war ich angesichts des gebotenen ein wenig verhalten. Zwar ist die gezeigte Action wirklich klasse, so dass einem manchmal die Kinnlade herunterfallen mag – aber an zu vielen Stellen verliert der Film doch etwas an Tempo, bietet zu viel Handlung statt „Eye-Candy“. Dumm gerade dann, wenn die Handlung nicht überzeugen kann und eigentlich nur als Beiwerk zur Optik fungiert. Anfangs lenken die unterhaltsamen Witze noch gut ab, zum Ende hin, wenn es langsam aber sicher auf die Auflösung hinausläuft, fehlt dem Film der gewisse Esprit. Trotzdem: ein weiterer Film, den ich mir gerne auch ein zweites Mal im Kino angucken würde, denn diese kleine Kritik wiegt bei der Fülle an Positivem nicht wirklich viel.

Fazit: Bekmambetov hat zwar wieder einen visuell sehr ansprechenden Film abgeliefert. Dass das Budget fast zwanzigfach so hoch war wie für “Wächter der Nacht” sieht man dem Film jedoch nicht an. Einen Großteil haben sehr offensichtlich die Gagen verschlungen.

Rating: ★★★★★★★★☆☆

Posted in Film, Meinung

One Response to “Filmkritik: “Wanted””

  1. on 15 Sep 2008 at 19:101cousin it

    Schön, schön. Viel Hoffnung für meinen Kinobesuch diese Woche also. :-) Und für Hollywood, irgendwie war young shia ja schon kurz davor, diese Art von Rolle allein abzudecken.

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