Filmkritik: “Wall-E”
Sep 11th, 2008 by Hausmeister
Filme aus der CGI-Schmiede Pixar kommen ja immer mit einem speziellen Goodie daher: der Vorfilm. Ein kurzer Film von knapp fünf Minuten, der als Anheizer für das animationsgierige Publikum fungiert. „For The Birds“ (vor “Monster AG”) war lustig, „Lifted“ (vor „Ratatouille“) noch eine Ecke spaßiger. Bei „Wall-E“ kommt es nun erstmals dazu, dass der Vorfilm mir sogar besser gefallen hat als das Hauptwerk…
Zur Story: der kleine Roboter Wall-E (ein wahrer „Nummer Fünf“-Verschnitt) ist das letzte (Fast-)Lebewesen auf der verwüsteten Erde. Stur verrichtet er weiterhin seinen inzwischen sinnlosen Dienst und presst Altmetalle in Würfelformen, die er anschließend zu Wolkenkratzern auftürmt. Bis eines Tages ein Raumschiff landet und den bezaubernden, durchgestylten Roboter Eve zurücklässt. Spätestens hier wird der Einfluss von Pixar-Geldgeber und Apple-Chef Steve Jobs deutlich: während Wall-E gemütlich vor sich hinrostet, sieht Eve aus wie ein hochglazpolierter, auf Roboter getrimmter iPod. Kein Wunder, dass Wall-E sich in dieses Wunderwerk der Technik verliebt – und damit das größte Abenteuer seines Lebens beginnt.
„Wall-E“ hatte große Erwartungen zu erfüllen. Mit jedem Film setzte Pixar noch eins drauf, schuf mit „Ratatouille“ einen Film, der nicht nur durch seine fantastischen Effekte, sondern auch durch seine durchdachte Story überzeugte. Und genau das schafft „Wall-E“ leider überhaupt nicht. Die Effekte sind nach wie vor hervorragend. Sowohl bei der Gestaltung der Szenerie als auch beim Design der vielen verschiedenen Roboter merkt man die große Detailverliebtheit, die anderen Animationsfirmen abgeht. Nur leider wird aus dem Potenzial nicht wirklich geschöpft. Obwohl wirklich viele unterschiedliche Roboter kreiert wurden, bleibt die Handlung doch auf Wall-E, Eve und einen pedantischen Putz-Roboter beschränkt. Hier hätte ich mir mehr gewünscht. Mehr Nebenrollen, die mit interessanten Charaktereigenschaften ausgestattet wären. „Ratatouille“ lebte vor allem durch seine Charaktere: der fiese Küchenchef, der hochnäsige Gastro-Kritiker, die unbeholfene Küchenhilfe oder die anmutige und sehr französische Saucen-Frau.
Neben ausgefeilten Charakteren bleibt „Wall-E“ auch eine spannende Handlung schuldig. Die erste halbe Stunde lebt eigentlich nur von Wall-Es Kuschelfaktor. Wirkliche Handlung wird hier nicht geboten. Zum Ende hin werden dann zwar hier und da noch ein paar Handlungsstränge zusammengeknüpft – ausgefeilt wie sonst üblich wirkt es aber überhaupt nicht. Vermutlich wollten die Macher mal einen „richtigen“ Kinderfilm machen, der auch junge Zuschauer nicht mit zu viel Story überfordert.
„Wall-E“ lebt – für erwachsene Zuschauer – letztlich nur von seinem treuherzigen Blick und seinem „Knuffel-Faktor“, mit dem in jeder Filmminute kokettiert wird. Immerhin: einer angerosteten Maschine dermaßen viel Herz zu verleihen – das schafft vermutlich wirklich nur Pixar. Für meinen Geschmack war das aber viel zu wenig, um einen wirklich unterhaltsamen Film auszumachen. Im Grunde nicht anders als der frisch angelaufene „Wanted“: Optik hui – Story pfui.
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