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Filmkritik: “James Bond – Ein Quantum Trost”

Nov 19th, 2008 by Hausmeister

Mit der Besetzung von Daniel Craig als dem James Bond des 21. Jahrhunderts, setzte in der Filmreihe um den britischen Geheimagenten eine Trendwende ein. Bond war nicht länger der charmante Lebemann, der selbst in der heftigsten Schlägerei noch Zeit für einen ironischen Kommentar fand. Bond wurde düster, undurchschaubar und hart, fast emotionslos. Doch was mir in „Casino Royale“ noch so sehr gefallen hat, will bei „Ein Quantum Trost“ irgendwie nicht mehr wirken.

Der neue Bond-Streifen ist eine direkte Fortsetzung zu dem Vorgänger aus 2006 und setzt nur kurze Zeit nach dessen Ende ein. Einige Eckpunkte der bisherigen Handlung sollte man also schon parat haben. Bond macht sich auf die Spur der Mörder seiner Geliebten Vesper und stößt dabei auf ein weltweit agierendes Netzwerk von Wirtschaftsbossen namens „Quantum“. Nach außen hin spielen dessen geheime Mitglieder die charityfreudigen Wohltäter, aber im Geheimen setzen sie ihre Interessen knallhart und mit aller notwendigen Gewalt durch. Bond hat besonders den Geschäftsmann Greene (Mathieu Amalric) im Visier, der im Rampenlicht als Öko-Wirtschafter auftritt; in Wirklichkeit aber eine Revolution in Bolivien vorbereitet, die ihm unglaubliche Wirtschaftsmacht verleihen würde.

Es ist nicht viel übrig geblieben vom einzigartigen Charme der Bond-Filme, die sich einst klar zu anderen Actionern abgegrenzt haben. Eine geheime Organisation, die sich still und heimlich die (wirtschaftliche) Weltmacht unter den Nagel reißen will, ist da schon fast ein gern gesehenes Relikt aus alten Zeiten. Ansonsten wirkte der Film in vielen Phasen austauschbar mit anderen Filmen des Genres wie etwa den Abenteuern der Herren Bourne oder MacLane.

Gleich zu Beginn wird der Zuschauer in eine hektische Verfolgungsjagd gestoßen, die einem leider viel zu offensichtlich vor Augen führt, dass Bond mit Daniel Craig eine gewaltige Wandlung durchgemacht hat. Gab es früher noch ausgefallene Kampf-Choreographien, die in einer Liga mit den damaligen „Indiana Jones“-Filmen spielten was Raffinesse und Witz anging, herrscht nun das Gesetz des schnellen Schnittes. Was sicherlich eine moderne Dynamik verschaffen sollte, bringt dem Zuschauer letztlich nur Verwirrung, da man zu keinem Zeitpunkt die komplette Szenerie überblicken kann.

Auch hat Bond viel von seiner einstigen Internationalität eingebüßt. Zwar ist auch das neueste Abenteuer eine halbe Weltreise, doch irgendwie fühlt man sich erinnert an die Tour einer Rockband. Frei nach dem Motto: „Andere Stadt – gleicher Tour-Bus“. Viele Orte sind miteinander austauschbar; das Landestypische, das in früheren Filmen noch einen besonderen Reiz darstellte, bleibt großteils auf der Strecke. Klar kann man sich darüber streiten ob immerzu die Big-Ben-Glocken läuten müssen, wenn Bond mal wieder mit Miss Moneypenny flirtet – für mich gehörte das eben dazu wie die berühmte „Schweinebacke“ zu „Stirb langsam“.

Ebenso reizarm bleibt leider auch Mathieu Amalric, der den Geschäftsmann und Bösewicht Greene spielt. Wo Mads Mikkelsen in „Casino Royale“ als Bösewicht Le Chiffre mit Wangennarbe und blutenden Augen noch ein wenig Düsteres vermitteln konnte, wirkt Greene wie ein stinknormaler Steuerhinterzieher. Eine „Aura des Bösen“ will ihn so gar nicht umhüllen. Ein Vergleich mit dem eh unvergleichlichen Gert Fröbe als Auric Goldfinger verbietet sich von selbst.

Weiterhin vermisst habe ich die technischen Gadgets. Auch wenn sie manchmal schon ein wenig abgedreht waren, so gehörten sie doch immer dazu. Stattdessen verkommt Bond immer mehr zu einer Werbeveranstaltung für Sony und Ford. Aus: „Hallo Q, was haben Sie Neues für mich?“ wurde ein plumpes: „Es gibt da jetzt was Neues von Sony-Ericsson…“ Wenn man schon mehr Schwerpunkt auf Realismus setzen will und dem Publikum deswegen einen Nachfolger für den genialen Erfinder „Q“ vorenthält, dann erspart uns bitte auch das Sony-Handy mit eingebautem 100fach-Zoom…

Zwar ist auch „Ein Quantum Trost“ sicherlich kein schlechter Film, dafür ist er zu perfekt produziert, bietet einige aufsehenerregende Action-Sequenzen und zeigt unmissverständlich, dass hinter der Produktion ein Budget von Weltniveau steckt. Wenn aber die Marschrichtung nicht ein wenig nachkorrigiert wird, dann hat spätestens der übernächste Bond weniger Nachrichtenwert als der übernächste „Indiana Jones“. Bond-Filme waren mal ein echtes Medien- Ereignis, eine bunte Mischung aus Charme, Bondgirls, tollen Städten, High-Society-Parties, charismatischen Bösewichten und technischem Spielzeug der Superlative. Davon ist eigentlich kaum noch was über. Was ich besonders vermisst habe sind die amüsanten Einzeiler, die Bond seinen zu Boden fallenden Gegnern nachruft. Die konnte man in „Ein Quantum Trost“ an einer Hand abzählen. Schade drum.

Ganz ehrlich: ich hatte am vergangenen Wochenende mehr Spaß mit dem Bond-Film „Octopussy“ aus dem Jahr 1983 als mit dem aktuellen. Spricht nicht gerade für die Neuausrichtung, zumal „Octopussy“ vermutlich der trashigste Bond ever war…

Rating: ★★★★★★☆☆☆☆

Tags: bond, craig, daniel, film, Filmkritik, james, Kino, kritik, quantum, rezension

Posted in Film, Meinung

One Response to “Filmkritik: “James Bond – Ein Quantum Trost””

  1. on 29 Nov 2008 at 14:151Nerdtalk Episode 75 : Nerdtalk

    [...] Filme: James Bond – Ein Quantum Trost Mirrors The Strangers So viele Jahre liebe ich dich Willkommen bei den Sch’tis   [...]

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