Filmkritik: “The Strangers”
Nov 19th, 2008 by Hausmeister
Gerade im Bereich Horror/Thriller scheint inzwischen alles bereits irgendwann einmal erzählt worden zu sein. Wirkliche Neuerungen hat es seit „Saw“ nicht mehr gegeben. Und dennoch: mit „The Strangers“ kommt dieser Tage ein geballtes Stück Spannung in die Kinos, das weniger durch seine Storyline als vielmehr durch seine Machart überzeugt.
Es hätte alles so schön werden sollen: Nach einem missglückten Heiratsantrag fährt das Pärchen James und Kristen in das abgelegene Ferienhaus ihrer Eltern. Mitten in der Nacht steht auf einmal ein unbekanntes Mädchen vor der Tür, das sich nicht wieder abwimmeln lässt. Doch damit nicht genug: anscheinend ist das Mädchen nicht allein. Zu dritt belagern die perversen Menschenquäler nun das Haus – und verschaffen sich Einlass…
Meine Hoffnungen in diesen Streifen waren nicht allzu groß, zumal Liv Tyler zwar hübsch anzusehen ist, aber mir außer „Herr der Ringe“ nichts Brauchbares mit ihr einfallen will (ich sage nur: „Armageddon“…). Doch sehr schnell macht der Film deutlich, dass er sich aus der üblichen schmuddeligen Horror-Ecke abhebt. Gerade zu Beginn lässt der Film sich viel Zeit. Das Drama um den abgelehnten Antrag wird bis zur Schmerzgrenze ausgedehnt, verschafft somit aber auch sehr gut den Eindruck des Realen. Schade nur, dass dieses anfangs so ausgewalzte Thema im Rest des Films nicht wieder aufgenommen wird. Immerhin trägt diese profane Handlung viel dazu bei, dass man sich beim ersten Klopfen an der Tür ordentlich erschreckt und auch im weiteren Verlauf nachvollziehbar aus einer Alltags-Situation herausgerissen wird.
Diese ruhige Erzählweise mit einigen geschickt gesetzten Spannungs-Spitzen nutzt der Film in der ersten Hälfte sehr gut aus. Immer wieder kehrt Stille ein, um dann mit einem Geräusch oder gar Lippenstift-Sprüchen an der Fenster-Innenseite den Zuschauer erneut zu packen. Somit wird das Katz-und-Maus-Spiel, das die Fremden mit dem verängstigten Pärchen treiben, optimal in Szene gesetzt. Die zweite Hälfte des Films lebt dann mehr von der perfiden Arbeitsweise des Killer-Trios. Immer wieder scheinen die Gefangenen in der Falle, das Ende nah – doch anstatt einfach zu töten, weiden sich die Täter an der Angst der Opfer.
Und damit zu einem Kritikpunkt: zwar ist der Film an sich mit 85 Minuten nicht gerade lang, diese elend lange Verfolgung hätte man aber auch kürzer gestalten können, zumal der Ausgang des Martyriums bereits im Vorspann erwähnt wird.
Auch an der technischen Umsetzung habe ich einiges auszusetzen. Zwar wirkt die Szenerie durch den Einsatz der Handkamera natürlich wieder sehr authentisch, weniger wäre trotzdem mehr gewesen. Wenn anfangs in einer ruhigen Dialog-Szene, in der nur über die Beziehung sinniert wird, das Bild wackelt, als wenn der Kameramann King Kong vor der Linse hätte, muss ich mir doch die Frage stellen, ob eine hektische Kameraführung in solchen Momenten angemessen ist. Diese hektische Kameraführung wirkt in vielen ruhigen Szenen arg deplaziert.
Trotz allem: am Ende bleibt „The Strangers“ ein überraschend guter Film, der sparsam mit blutigen Szenen umgeht und sich glücklicherweise mehr auf Spannung als auf Splatter konzentriert. Schön, dass ein Film mal wieder den Arsch in der Hose hat, auf Psycho-Schocks zu setzen anstatt sich in Blutorgien zu ergehen.
Rating: 















Ich fand den Trailer durchaus faszinierend, aber ich bleibe skeptisch. Glaubst du ich kann danach noch ruhig schlafen?
@Toby:
Nein, glaube ich nicht. Zumal der Film ja abgesehen von den vielen Schockmomenten auch ein wenig auf die “Abgründe der Seele” eingeht. Wenn man darüber nachdenkt, dass es in dieser Welt wirklich Leute gibt, die einfach nur pure Lust am Quälen haben, dann traut man sich bald gar nicht mehr vor die Tür…
@Toby: Ganz ehrlich?! Vermutlich nix für Dich
Und soooo toll war der Film auch nicht.
[...] Manchmal fragt man sich: „Wie kommen die Filmschaffenden nur immer auf ihre Ideen?“ Im Folgenden werde ich versuchen, die Hintergründe und Motive, die zur Produktion eines Filmes führen, nachvollziehbar darzulegen. Als Beispiel wähle ich „The Strangers“. [...]