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Filmkritik: “Burn After Reading”

Dez 3rd, 2008 by Hausmeister

Da ist man Ende November der vermeintlich letzte Mensch, der diesen Film doch tatsächlich noch im regulären Kinobetrieb sieht, und siehe da: selbst zur außergewöhnlichen Un-Zeit von 21:15 Uhr als Filmbeginn, ist die Vorstellung fast ausverkauft. Irgendwas muss wohl doch an diesem Film dran sein…

Die durchaus komplexe Handlung des Films zusammenzufassen, erscheint verwirrend schwer. Am besten bringt man es sicherlich auf den Punkt, indem man bei der inzwischen schon fast legendären CD-ROM anfängt, die „geheimen CIA-Scheiß“ (Zitat Brad Pitt) enthält. Diese gelangt in die Hände der beiden Fitness-Trainer Chad Feldheimer (Pitt) und Linda Litzke (Frances McDormand). Da Linda gerne für teures Geld ein paar Schönheits-OPs machen will und man eh lieber zu viel als zu wenig vom schnöden Mammon in der Tasche hat, beschließen die beiden, den Urheber der CD zu erpressen. Schließlich ist der Geheimagent und zahlt doch sicher Unmengen für die Wahrung seiner Geheimnisse. Als dies nicht klappt, trotten die beiden enttäuscht zur russischen Botschaft und versuchen dort, die CD zu verscheuern. Zu diesem Zeitpunkt ist jedoch das CIA schon auf ihrer Fährte. Wie in diese Story auch noch ein sexbesessener George Clooney und seine kühl-berechnende Affäre Tilda Swinton reinpassen, sollte man sich lieber selbst ansehen.

Man darf sich fragen, was diesem Film seine hohe Popularität eingebracht hat: das jüngst oscarprämierte Regisseurs-Duo der Coen-Brüder oder die hochwertige Besetzung mit Clooney, Pitt, Malkovich, Swinton und Simmons. Ein Geniestreich ist der Cast auf alle Fälle. Pitt als strähnchenblondierter und strunzdummer Fitnesstrainer, Clooney in der Rolle eines plumpen Fremdgehers, Malkovich als alkoholkranker Ex-CIA-Mann und Simmons als CIA-Chef werden meiner Meinung nach noch von Tilda Swinton getoppt. Diese den ganzen Film über so emotions- und herzlose Frau als Kinderärztin bar jeden Einfühlungsvermögens zu besetzen, ist meisterhaft. Eigentlich bietet so ziemlich jeder Beteiligte das krasse Gegenteil von seiner bisherigen Außenwirkung, und das allein macht einen Heidenspaß, zumal die schauspielerischen Leistungen hervorragend sind.

Auch ansonsten ist „Burn After Reading“ ein Film ganz nach meinem Gusto: verschiedene Handlungsstränge finden immer wieder skurrile Berührungspunkte und führen zu unvorhersehbaren Konsequenzen.

Absoluter Höhepunkt sind die leider sehr kurzen Dialoge im „Schaltzentrum der Macht“. Wenn Ex-„Sledgehammer“ David Rasche seinem Vorgesetzten, gespielt von einem meiner absoluten Lieblinge J.K. Simmons („Juno“), vom Stand der Dinge berichtet, erhält man tiefen Einblick in die Arbeitsweisen der Geheimdienste. Und wenn man annimmt, dass die Herren vom Geheimdienst auch im wahren Leben dermaßen auf dem Schlauch stehen, überrascht es einen dann doch nicht so sehr, dass unsere Jungs vom BND von Gefangenentransporten mit Guantanamo-Häftlingen auf deutschen Flughäfen nichts gewusst haben wollen. Das filmschließende Gespräch der beiden ist das absolute Highlight. Er lässt den kompletten Film davor aussehen, als sei er nur eine einführende Erläuterung für diesen aufschlussreichen Dialog. Und wenn Simmons dann mit einem fast beeindruckten „Was für eine riesige Scheiße!“ den Film beendet, stimmt man ihm – im positivsten aller Sinne – innerlich zu.

Zugegeben: der ganz besondere Touch fehlt dem Film dann doch. Als echte Perle des Genres kann man ihn nicht wirklich feiern. Vom Stil her ist er einfach zu unauffällig und kann etwa mit einem aufgedrehten „Pulp Fiction“ nicht mithalten, versprüht er doch eher den tristen unaufgeregten Charme eines „Little Miss Sunshine“. Außerdem fehlen ihm noch ein paar dieser absoluten Kult-Szenen, die einen auch nach Jahren noch mit einem „…und dann war da ja noch die Szene, wo…“ schwärmen lassen. Und dennoch: „Burn After Reading“ ist ein intelligenter Film über viele Menschen, die ihre Intelligenz anscheinend mal auf Standby geschaltet haben. Und als eine „Verkettung unglücklicher Umstände“, die zum Glück jede Menge Lacher bietet, funktioniert der Film hervorragend.

Rating: ★★★★★★★★☆☆

Tags: Clooney, Coen, Filmkritik, filmrezension, komödie, krimi, kritik, McDormand, pitt, rezension

Posted in Film, Meinung

2 Responses to “Filmkritik: “Burn After Reading””

  1. on 04 Dez 2008 at 15:331Christoph

    War für mich persönlich der schlechteste Film den ich 2008 gesehen hab. Paar gute lacher waren schon drin aber dem Trailer nach hätte ich einfach mehr komplett sinnfreuen Humor erwartet.

  2. on 06 Dez 2008 at 13:582Nerdtalk Episode 79 : Nerdtalk

    [...] Filme: Burn after reading New York für Anfänger Wächter der Wüste Awake Death Race The Women    Nerdtalk [...]

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