Filmkritik: “Australia”
Dez 31st, 2008 by Hausmeister
Eine Anekdote zum Film gleich vorweg. Hugh Jackman antwortete auf die Frage, wie er zu seiner Rolle im Film gekommen ist, folgendermaßen: „Bei einer Superbowl-Party sprach mich Nicole Kidman an und sagte, ich solle unbedingt bei diesem Film ‚Australia’ mit dabei sein. Auf meinen Einwand hin, dass ich gar kein Drehbuch davon hätte, sagte sie gelassen: ‚Ich hab’s auch nicht gelesen. Aber Baz Luhrmann dreht ihn.’“
Lady Sarah Ashley (Nicole Kidman) macht sich auf den Weg von ihrem edlen Gestüt in England in ins Outback Australiens, um ihren Mann dort zu besuchen. Dieser versucht dem finanziellen Bankrott durch die Viehzucht zu entgehen. Doch anstatt ihren Mann wie vermutet in flagranti mit einer australischen Geliebten zu erwischen, findet sie ihn tot vor. Der Verdacht fällt schnell auf den Rinder-Eintreiber Fletcher (David Wenham), der mit einem Konkurrenzen Ashleys gemeinsame Sache macht. Er hat es auf die hochwertigen 1.500 Rinder abgesehen. Doch Lady Sarah macht Fletcher einen Strich durch die Rechung. Die in der Wildnis so unbeholfen wirkende Edeldame will die Rinder höchstpersönlich durch die Wüste, bis zur weit entfernten Verladestation in Darwin treiben. Dafür benötigt sie natürlich Helfer. Wie etwa den rauen Haudegen Drover und einen kleinen Aborigines-Jungen…
Ich.liebe.Baz.Luhrmann! Mit „Moulin Rouge“ hat er im Jahr 2001 einen der wenigen Filme erschaffen, die einen Platz ganz tief in meinem Herzen gefunden haben. Einen Film voll großartiger Musik, einer dramatischen Liebesgeschichte und abertausenden prächtigen Bildern. Es gibt wohl kaum einen Regisseur, mit dem ich rein visuell so auf einer Wellenlänge liege wie mit Luhrmann. Entsprechend gespannt war ich auf „Australia“. Sieben Jahre hat sich Luhrmann seit „Moulin Rouge“ Zeit gelassen. Herausgekommen ist ein wunderbarer Film, der mich mehrmals zu Tränen rührte. Oft an Stellen, an denen kaum einer meine Tränen verstanden hat.
Mit 165 Minuten Laufzeit ist „Australia“ ein echtes Epos geworden, das über die gesamte Laufzeit unterhalten kann, ohne dass man sich auch nur eine Minute langweilt. Während zum Beginn der Humor dafür sorgt, dass schnell Sympathien für die Hauptpersonen entstehen, wendet sich das Blatt kaum merklich, hin zu einem Drama erster Güte.
Wie auch schon in „Moulin Rouge“ entpuppt sich Luhrmann als ein fast kindlicher Geschichtenerzähler. Während der Film anfangs eine außerordentliche Leichtigkeit hat, die in ihrer Naivität eher an einen 50er-Jahre-Film erinnert, schafft er es, später eine glaubhafte Ernsthaftigkeit zu entwickeln. Glücklicherweise bleibt bei all der Dramatik nie die Hoffnung und Zuversicht auf der Strecke, was den Zuschauer zwar mitleiden, aber nie verzweifeln lässt.
Die Wahl der Darsteller mag ich auch einfach mal als perfekt bezeichnen. Nicole Kidman gibt zuerst die brillanteste „Edeldame im Busch“ seit Kate Capshaw in „Indiana Jones und der Tempel des Todes“. Herrlich dabei zuzusehen, wie pikiert sie anfangs auf den rauen Menschenschlag der Australier reagiert. Später entwickelt sie sich dann zu einer selbstbewussten Frau, die auf Augenhöhe mit den maskulinsten Typen steht. Hugh Jackman stellt zu Beginn des Films imposant klar, warum ihm der Titel „Sexiest Man Alive“ nicht zu unrecht vergeben wurde. Da wurde selbst meine Frau schwach, die sonst so gar nicht auf den Typen reagieren wollte. Er verkörpert wunderbar den australischen Halunken, der auch mal Herz zeigen kann. Hinzu kommt David Wenham, der als Fletcher einen ebenso guten Bösewicht gibt, wie seinerzeit, als er Frodo den Ring entreißen wollte. Besonders klasse auch Brandon Walters, der kleine Aborigines-Mischling, der so zarte Gesichtszüge hat, dass ich ihn erst für ein Mädchen gehalten habe. Besonders gefreut hat mich das Wiedersehen mit Jacek Korman, dem russischen Kneipenwirt Ivan, der in „Moulin Rouge“ noch einen bemerkenswerten Auftritt als Argentinier hatte, der mit Reibeisenstimme „Roxanne“ von The Police intonierte.
Die Geschichte war unterhaltsam, mitreißend, spannend, herzerweichend. Doch was diesen Film für mich besonders auszeichnete, waren seine fantastischen Bilder. Es gab in diesem Film viele Momente, in denen ich versucht habe mich von der Rolle des Zuschauers zu lösen und in die eines Filmanalytikers zu schlüpfen. Szenen, nicht nach ihrem Inhalt, sondern nach ihrem Aufbau zu beurteilen. Und ich muss sagen: das hat mich noch mehr zu Tränen gerührt als die Geschichte an sich. Luhrmann hat wundervolle Visionen, die er wunderbar auf die Leinwand projiziert. Wie auch schon in „Moulin Rouge“ setzt er auf einen fast comichaft-authentischen Stilmix, fügt dem Realen, Dreckigen immer einen kleinen Hauch naives Märchen hinzu.
Und es gab viele Szenen, in denen ich gedacht habe „Perfekt!“. Szenen, in denen der Bildausschnitt 100%ig stimmte; Szenen, in denen im Hintergrund immer noch etwas passiert, was die Stimmung der vordergründigen Handlung unterstreicht. Und: unvergessliche Kamerafahrten. (Kleiner Spoiler ahead) Ich glaube diese perfekte Kamerafahrt, nach dem Tod von Nullahs Mutter, gehört in meine ewige Top 10 der Kamerafahrten (immer noch angeführt von der Straßenkampf-Szene aus „Children of Men“). Wie Luhrmann hier binnen weniger Sekunden so viele Details in einem Kameraschwenk komprimiert, ist meisterhaft. Ebenso fest eingebrannt in mein Gedächtnis, die Angriffs-Szene der Japaner auf Darwin, mit einem ungläubigen, klapperdürren Aborigine mittendrin. Unvergesslich und allein schon den Film wert.
Jaja, man merkt: ich bin nicht ganz objektiv, aber das fällt mir bei einem solchen Film merklich schwer. Wer diesen Film kritisieren will, der kann ihm vorwerfen, dass alle Personen ein wenig stereotyp geraten sind, der Ausgang vorhersehbar ist und ganz offensichtlich zu viele Themen auf einmal abgefrühstückt werden. Aber: sind Märchen nicht immer voller Stereotypen – und vorhersehbar? Eben. Außerdem könnte man sich an der Darstellung der Kultur der Aborigines stoßen, wird sie doch in eine ziemliche Hokus-Pokus-Ecke gestellt, in der man mal eben so ganze Rinderhorden durch die knochentrockene Wüste oder aus einer Massenpanik heraus singen kann. Im Gegensatz zu den nordamerikanischen Indianern, denen eine ebenso große Naturverbundenheit bescheinigt werden muss, hat doch gerade die Kultur der Aborigines zudem immer etwas besonders Mystisch-Geheimnisvolles. Meiner Meinung nach war die Darstellung dieser außergewöhnlichen Eigenschaften hart an der Grenze, aber eben nicht „too much“, als dass es dem Film geschadet hätte.
Nein, ich bleibe dabei: „Australia“ ist für mich ein wirklich krönender Abschluss für das Filmjahr 2008. Das lange Warten hat sich gelohnt. Vielleicht kein Klassiker wie „Vom Winde verweht“, aber zumindest der beste „Vom Winde verweht“-Lookalike des Jahres 2008.
Rating: 









Trailer:






Danke!
Dem habe ich NICHTS hinzuzufügen!
Werde mir den Film auf jeden Fall nochmal im großen Kino ansehen und hoffentlich dann im Original!
Es lebe die Poesie!!!
Auch beim zweiten Mal gucken hat “Australia” nix von seiner Faszination und Schönheit verloren.
[...] nur trockenes Grasland, Rinder und Schafe zu bieten hat … also genau so wie man sich eigentlich Australien vorstellt, wenn man in Europa davon hört, bzw. liest. Landschaft um [...]
Sorry, aber reichlich platter, üblicher Hollywood-Kitsch. Gähn.
[...] Filme: 16 Eintrittsgeld: 113,50 € (gesamt: 264,50 €) Bester Film: "Australia" und “Zeiten des Aufruhrs” (9/10) Schlechtester Film: "Bedtime Stories” (2/10) [...]
Hallo geht’s noch? Der Film ist so unterirdisch schlecht….Kitsch dass alles trieft. Streckenweise dachte ich das ist ein Trickfilm – so unrealistisch und rosarot und blutrot-ketchup. Meine Güte und alles ist vorhersehbar, alle Widrigkeiten ausgeräumt, Mann bekommt Frau, Frau bekommt Waisenkind. und dann die Kulissen – in den vierzigern ist selbst John Wayne natürlicher rübergekommen.
Aus dem Plot hätte man was machen können – armes Australia, dass Du so verkitscht worden bist….