Filmkritik: “Twilight”
Jan 14th, 2009 by Hausmeister
„Der etwas andere Vampirfilm“ scheint gerade der große Trend zu sein. Erst vor kurzem lief mit „So finster die Nacht“ ein Film mit den unheimlichen Blutsaugern, der weg vom Horror, hin zur Romanze tendierte. Nun also „Twilight“, die Romanverfilmung des Bestsellers von Stephenie Meyer.
Bella zieht zu ihrem Vater in die graue Einöde der Kleinstadt Forks. Auf der Schule freundet sie sich zwar mit einigen Mitschülern an, ist jedoch von dem eigenartigen Edward besonders fasziniert. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten kommen sich die beiden näher. Und damit wird es für Edward immer schwerer, sein Geheimnis für sich zu behalten…
Eines muss vorweg erwähnt werden: „Twilight“ ist einer jener Filme, die akkurat maßgeschneidert für eine Zielgruppe sind: für weibliche Teenager. Während etwa Animationsfilme wie „Madagascar“ oder „Shrek“ Jung und Alt begeistern können, bleibt die besondere Magie dieser romantischen Vampirgeschichte eindeutig den Schülerinnen vorbehalten. Und unter der Prämisse, einen ansprechenden Film für heranwachsende Mädchen und Frauen zu produzieren, leistet „Twilight“ wirklich gute Arbeit.
Die Story wird kontinuierlich gut erzählt, wirkliche Längen gibt es nicht. Jederzeit hat man das Gefühl, die Handlung komme voran. Doch leider sind es viele kleine Details, die diesem Film den Weg zu einer größeren Zuschauergruppe verwehren. Zuallererst: die Schauspieler. Grundsätzlich keine schlechte Idee, einen Film komplett mit unverbrauchten Gesichtern zu besetzen. Nur wäre es schön, wenn diese dann auch ein wenig Charisma hätten. Hauptdarstellerin Kristen Stewart übt sich andauernd in zweifelnd-sehnsüchtigen Blicken in die Ferne, die fast wie kurzzeitige Apathie wirken. Robert Pattinson hingegen wirkt in seiner Rolle als Vampir Edward gerade zu Beginn des Films wie ein Abiturient mit Tollwut. Sein aufgesetzt böser Blick wirkt weniger einschüchternd denn unfreiwillig komisch. Dass Vampire keinen gebräunten Teint haben wie hawaiianische Surf-Legenden, ist klar. Aber in „Twilight“ wird mit der Blässe gern mal übertrieben. Und so sehen Edward und Familie mit ihren weißen Gesichtern ebenfalls unfreiwillig komisch aus. Da werden abwechselnd Erinnerungen an „Der kleine Vampir“, „Die Munsters“ und Lt. Commander Data von „Star Trek – TNG“ wach.
Vom Handwerklichen her gibt es bei dem Film kaum Mängel. Der Kamera gelingt es ab und an, das Geschehen wirklich gut in Bilder umzusetzen (Stichwort Baseball). Besonderes Lob gebührt dem herausragenden Soundtrack, der diesem Film viel von seiner unbehaglichen und doch romantischen Stimmung verleiht. Auch die gezeigten Effekte sind alles in allem ansehbar und zum Glück nicht übertrieben. Der Schwerpunkt liegt eindeutig auf der Handlung und nicht auf der Optik.
Das größte Manko des Films: die Dialoge. Diese waren teilweise wirklich nur noch zum an den Kopf fassen. Wären manche Konversationen nicht allzu platt und dümmlich abgelaufen, sondern irgendwie „erwachsener“, hätte ich dem Film sogar noch mehr abgewinnen können. So fehlt im aber doch ein wenig die Tiefe. Anstatt bei der außergewöhnlichen Liebe zu einem Vampir ordentlich die Sinnfrage zu stellen und Motivation und moralische Konsequenzen („töten, um zu überleben“) zu beleuchten, bleibt „Twilight“ leider zu sehr auf der Handlungsebene.
Immerhin: ich habe mich nicht gelangweilt. Wenn man hier und da ein Auge zudrückt, kann man sich auch „in meinem Alter“ (was vermutlich dem doppelten der Zielgruppe entspricht…) oberflächlich gut mit dem Film unterhalten. Wer die Thematik erwachsenengerechter aufbereitet sehen will, dem sei dann aber doch eher „So finster die Nacht“ empfohlen, der den Stoff nicht in MTV-, sondern vielmehr in arte-Manier realisiert.
Kurzum: viele kleine Mängel haben mir den echten Spaß an dem Film ziemlich verdorben, so dass ich persönlich nur eine 4- vergeben kann, da er zumindest handwerklich ganz gut wegkommt (die Musik reißt echt einiges!). Allerdings muss ich zugestehen, dass der Film bei der Zielgruppe sicherlich als „gut“ bis „sehr gut“ empfunden wird. Aus diesem Grund ist ein regelrechter Verriss meiner Meinung nach nicht gerechtfertigt. Der Wurm muss dem Fisch schmecken und nicht dem alten Angler.
Rating: 















Ehrlich gesagt hätte ich mir nicht viel mehr erwartet. Du?
Nein. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich eher noch positiv überrascht war, hatte ich doch mit weit Schlimmerem gerechnet.
Man muss definitiv das Buch gelesen haben, sonst kommt man hinter die tiefen Gefühle, die dahinter stecken gar nicht.
Das der Film für weibliche Teenager ist würde ich so nicht bestätigen, wohl auch, weil der Roman als bester “All-age” Roman ausgezeichnet worden ist.
@Celina:
Mit Verlaub: da widersprichst Du Dir aber ein wenig. Du sagst, dass die tiefen Gefühle des Buches nicht im Film deutlich werden. Zugegeben: ich habe das Buch nicht gelesen. Aber von vielen Seiten habe ich nun schon gehört, dass der Roman wesentlich mehr Tiefe hat, sich auch mehr auf Bellas Gefühlsleben konzentriert und der Film eher ein „Best of“ der Schlüsselszenen des Buches ist. Und so muss ich ihn eben auch bewerten. Klar mögen auch noch ältere Leser die Bücher, weil diese eben mehr Tiefgang haben. Was davon im Film übrig geblieben ist, taugt allerdings meiner Meinung nach wirklich nur für das jüngere Publikum. Denn von einem echten Drama, das wirklich als Drama ernst genommen werden kann, ist zumindest der Film „Twilight“ meilenweit entfernt. Dass das Buch da nicht nur „Teens“ anspricht, glaube ich sofort.
Nein der film war perfekt, ich hab auch nicht so viel erwartet! ich hab es mir diese woche zweimal im kino angeschaut ! Hoffentlich gibt es auch ein zweiten teil!
@oles:
Sage ich doch. Für eine gewisse Zielgruppe ist der Film eine echte Erfüllung. Ein zweiter Teil ist bereits konkret in Planung, kein Wunder beim Erfolg des Vorgängers allein in den Staaten. Mehr Infos dazu: http://www.moviepilot.de/content/filmspot/articles/taylor-lautner-spielt-jacob-black-im-twilight-nachfolger-101664
Allerdings werden viele Mankos wirklich durch den Soundtrack wettgemacht. Muss man schon sagen.
Das man zum Bückerkauf in die nächste Großstadt jagen muss, verstehe ich zum Beispiel nicht. Ebay? Amazon?
Zudem kann man Jagdszenen doch durch einiges kaschieren – hier und da mal das Winseln eines Tiers, oder wenigstens mal ein bisschen schockende Musik. Die Aussage “ich bin jagen und komm gleich wieder” verliert dadurch einiges an Bedeutung.
Ich für meinen Teil habe mich ehrlich gesagt etwas gelangweilt. Die sexuelle Spannung, die im Buch aufgebaut wird, kommt ja mal gar nicht rüber. Ein paar Küsschen, ein bisschen Händchenhalten, das war’s. Schade, dass man einmal mehr nur von Profitgier als von Blockbuster Qualität sprechen kann. Einmal mehr hat mich die amerikanische Traumfabrik enttäuscht.
[...] zu den Weltbestsellern. Der erste Teil ist auch schon in den Kinos als Verfilmung. Habe mir den Film natürlich auch gleich angesehen. Sonst ist man es immer gewohnt das die Verfilmungen einfach sehr [...]