Filmkritik: “Milk”
Feb 26th, 2009 by Hausmeister
In den vergangenen Jahren fällt mir ein gewisser Trend bei Filmproduktionen auf: immer mehr Filme scheinen mit einem „Based on a true story“ zu werben. Bei manchen Stoffen kann man sich die Frage stellen, ob sie wirklich genug Tragkraft für einen kompletten Film haben. Gus Van Zandt beweist mit „Milk“, dass das Lebenswerk eines homosexuellen Politikers in den Vereinigten Staaten der 70er Jahre, durchaus wert ist, verfilmt zu werden.
Harvey Milk ist Teil der homosexuellen Community in San Francisco. Auch wenn die kalifornische Metropole für ihre überdurchschnittliche Toleranz bekannt ist, kommt es immer wieder zu Übergriffen auf Schwule – durch Bürger wie durch die Polizei. Milk erkennt, dass die große Gruppe der Homosexuellen durchaus eine Macht in der Stadt – ob es die Obrigkeiten wollen oder nicht. So ruft er etwa zum Boykott schwulenfeindlicher Läden auf, deren Umsätze daraufhin stark leiden. Der Weg von einem Anführer der Schwulenbewegung in die Politik ist nicht weit: Milk kandidiert für einen Sitz im Stadtrat – und gewinnt!
Der Film gibt einen interessanten Einblick in das Amerika der 70er Jahre. Der „Summer of Love“ ist noch nicht lange her, „Peace, Love and Happiness“ noch in aller Munde. Dass trotz der stattfindenden sexuellen Revolution immer noch eine erschreckende Schwulenfeindlichkeit bestand, die von Politik und Polizei maßgeblich unterstützt wurde, war mir persönlich bisher nicht bewusst. „Milk“ zeigt sehr eindringlich, mit welchen Lebensumständen Schwule zurecht kommen mussten.
Sean Penn geht von Beginn an komplett in seiner Rolle auf. Er zeigt eine für manche Homosexuelle typische Affektiertheit sehr dezent, ohne in platte Tuntigkeit abzudriften. Man merkt ihm an, dass er schwul ist, ohne jederzeit mit der Nase drauf gestoßen zu werden. Mit seiner sympathischen Art und einem gewinnenden Lächeln konnte er bei mir von Anfang an viele Pluspunkte sammeln.
Während sich der Beginn des Filmes hauptsächlich in San Franciscos Schwulenviertel Castro abspielt und sich mit dem langsamen Entstehen der Schwulenbewegung beschäftigt, geht es im zweiten Teil dann vielmehr um das Anprangern der landesweiten Schwulenfeindlichkeit. Hier rücken auch die politisch eingebrachten Rechte der Homosexuellen mehr in den Vordergrund, deren Durchsetzung durch Zugeständnisse an andere Ratsmitglieder gefördert werden soll. Hier kommt Josh Brolin als Stadtrat Dan White ins Spiel, der als weiteres Mitglied im Stadtrat trotz einer leichten Homophobie mit Milk zu kooperieren versucht.
Überrascht hat mich der Auftritt von Emile Hirsch: spielte er in „Alpha Dog“ einen kriminellen Dealer, der gerne auch mal zuschlägt, überzeugt er hier mit Minipli, Hornbrille und Blue Jeans als schlaksiger Teen. Vermutlich kam Hirsch zugute, dass er sich für die Rolle des Alex Supertramp in „Into The Wild“ ordentlich herunterhungern musste. Unterstreicht nur noch einmal mehr die Wandlungsfähigkeit dieses jungen Talents.
Alles in allem ist „Milk“ ein überzeugender Film, der das persönliche Schicksal Harvey Milks gut in den gesamtgesellschaftlichen Kontext einarbeitet. Der Zuschauer bekommt nicht nur Fakten, sondern vor allem auch ein Gefühl dafür, wie verfolgt und verstoßen sich Homosexuelle im Amerika der 70e Jahre noch gefühlt haben müssen.
Rating: 















hast Du ihn in der OV oder in der synchro gesehen? hab schon mehrfach gehört, dass die dt. version nicht allzu brauchbar sein soll.
@Marcus:
Ich habe ihn in er deutschen Fassung gesehen, kann mir aber auch durchaus gut vorstellen, dass er mich in der OV noch ein wenig mehr mitgerissen hätte. Was man von Penns Mienenspiel gesehen hat, war zumindest grandios.
Ich bin mir sicher, dass ist einer der Filme, die in OV noch mehr mitreißen.
Sean Penn hat den Oscar für diese Rolle auf alle Fälle sowas von verdient!