Filmkritik: “Public Enemy No. 1 – Mordinstinkt”
Mai 12th, 2009 by Hausmeister
Wer seine Kampfsport-Szene in “Ocean’s Twelve” gesehen hat, muss mir zustimmen: Vincent Cassel ist eine „coole Sau“. Und auch wenn sein Gesicht vielleicht nicht gerade das schönste ist, so ist er anscheinend doch genug „Kerl“, um bei Yves Saint Laurent einen Werbevertrag abzugreifen. Ein wahrer Charakterkopf, den selbst der angeklebte Schnurrbart in „Mordinstinkt“ nicht vollends entstellen kann.
Der Film basiert auf wahren Begebenheiten und beschreibt das Leben des französischen Kriminellen Jaques Mesrine. Nach seinem Einsatz im Algerien-Krieg Ende der 50er Jahre wird er zum Helfershelfer eines Untergrund-Paten und verübt Einbrüche und Banküberfälle. So wird Mesrine in Frankreich tatsächlich zum Staatsfeind Nummer eins. Als die Luft knapp wird, setzt er sich mit seiner Geliebten Jeanne nach Kanada ab. Doch auch da kann er seine kriminelle Ader nicht lange verbergen…
Ein Biopic über einen Schwerverbrecher hat mit den gleichen Untiefen zu kämpfen wie etwa der „Baader-Meinhof-Komplex“. Schnell gerät man in Versuchung, das Kriminelle zu glorifizieren. Einige Kritiker werden sicherlich immer auf den Plan gerufen. „Public Enemy No. 1” wirkt diesem allerdings gekonnt entgegen: zu keinem Zeitpunkt kann man für Mesrine Sympathie entwickeln. Wenn er Unschuldige erschießt oder gar seiner eigenen schwangeren Frau die Pistole in den Mund drückt, ist das Publikum entsetzt und kommt nicht mal auf den Gedanken, Mesrine als Opfer der Umstände zu entschuldigen.
Der Film, der übrigens der erste Teil eines Zweiteilers ist, wirkt überaus authentisch. Blanke Gewalt wird schonungslos dargestellt. Dennoch ist „Public Enemy No. 1“ kein Film für Freunde von purer Action. Auf den Werdegang wird mehr Wert gelegt als auf die tatsächlichen Gewalttaten.
Cassel kann sicherlich als Idealbesetzung bezeichnet werden. Er versteht es grandios, diesen brutalen Lebemann, der sich von nichts und niemandem etwas sagen lässt, in Szene zu setzen. Und so kann sich eine Kritik an dem Film auch nur an das teils unausgegoren wirkende Drehbuch richten. Auch wenn der Gesamtfilm mit gut vier Stunden nicht gerade knapp bemessen ist, wirken einige Szenen doch sehr gerafft. Vor allem seine große Leidenschaft für seine Geliebte Jeanne lässt sich nur schwer nachvollziehen. Gerade auch, weil die beiden wie das „Duo Infernal“ in „Natural Born Killers“ lächelnd tötend durch die Welt ziehen, wäre ein genauerer Blick auf die gegenseitige Abhängigkeit sehr aufschlussreich gewesen. Auch an ein, zwei anderen Stellen war mir der Film zu straff erzählt.
Dennoch: Teil eins macht Lust auf Teil zwei, der unter dem Titel „Public Enemy No. 1 – Todestrieb“ am 21.05. hierzulande im Kino anläuft. Wer einen Film sucht, der nicht nur Action bietet, sondern auch ein wenig die Beweggründe für eine ausgesprochen kriminelle Karriere dokumentiert, der liegt momentan hier genau richtig.
Rating: 















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