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Filmkritik: “Hostel”

Apr 29th, 2006 by Hausmeister

Mit gemischten Gefühlen ging es gestern ins Kino, um den viel diskutierten Film “Hostel” zu sehen. Im Cinemaxx-Forum ist er ja ziemlich durchgefallen, aber einige positive Kritiken bei ciao.de haben mir dann doch ein wenig Mut gemacht. Merke: wenn man ohne große Erwartungen ins Kino geht, kann man auch nicht wirlich enttäuscht werden.

“Hostel” heißt ja bekanntermaßen “Jugendherberge”. Dementsprechend sind die zwei der drei Hauptakteure junge amerikanische (und klischeehaft “amerikanisch-naive”) Rucksack-Touristen, mit einem aufgegabelten Isländer gemeinsam kreuz und quer durch Europa reisen, um “Bräute aufzureißen” und vor der Studienzeit noch mal viel Spaß zu haben. In Amsterdam bekommen sie von einem Unbekannten den Tipp nach Tschechien zu reisen. Dort gäbe es in der Nähe von Bratislava ein Schloss, in dem willige Mädels “nur auf amerikanische Jungs warten”, um ihnen sexuell gefällig zu sein. Naiv wie sie eben sind, machen sie sich auf den Weg nach Tschechien, werden dort allerdings nacheinander für ein makabres Vergnügen weggefangen.

Anstatt eines Schlosses voller Lust-Luder erwartet sie eine “Folter-Fabrik”. Hier können sich reiche Geschäftsmänner mit einer unüberschaubaren Anzahl von Folterwerktzeugen, die jeden Hornbach blass aussehen lässt, über die Entführten her machen und sie bis zum Tode quälen. Entführte Amerikaner bringen gutes Geld, kosten fünf mal so viel wie der “Tscheche von Nebenan”.

In die Schlagzeilen kam dieser Film vor allem durch seinen schiockierenden Trailer und die doch recht offenen und krassen Gewaltdarstellungen. Einige Szenen gingen mir – als jemandem, der nicht gerade Splatter-Fan ist – doch recht nahe, auch wenn die Gewaltdarstellung teilweise etwas überzogen war. Ein, zwei Schock-Effekte waren ganz nett. Einzig und allein die Spannung fehlte diesem Film. Ich hatte zu keiner Zeit wirklich das Gefühl mit den Hauptdarstellern mitzufiebern. Schade eigentlich. Das unterscheidet den Film doch extrem von dem überragenden “SAW”. Schade, hätte was werden können, aber: Nicht überall wo Tarantino draufsteht ist auch Kult drin.

Was mich dann aber doch ein wenig beschäftigte ist die Frage, in wie weit das Szenario einer “Folter-Kammer für Reiche” nun abwegig ist. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass es gelangweilte Geschäftsmänner gibt, die nicht als Hooligans zum Fußball gehen (was ja einige bekanntermaßen tun), sondern eben ihre sadistischen Gelüste auf diesem Weg ausleben wollen und dafür gutes Geld zahlen. Und: wo Nachfrage ist, da entsteht ja leider auch häufig ein Angebot (Menschenhandel, Organhandel…). Wer weiß ob es nicht irgendwo in Brasilien einen Ort gibt, an dem jungen Kindern aus den Favelas ein genau solches Schicksal blüht. Gar nicht drüber nachdenken.

Fazit: Blutige “Gulaschkanone” mit netten Effekten, aber ohne großartigen Spannungsbogen.

Bewertung:

Posted in Film, Tutti Completti

6 Responses to “Filmkritik: “Hostel””

  1. on 29 Apr 2006 at 18:481Phil Marx

    Schade. Also doch eher ein Film zum klaufen als zum kaufen, ja?

  2. on 29 Apr 2006 at 23:082Hausmeister

    Wäre Olly nicht so standhaft geblieben, dann hätte ich ihn nach den Kritiken, die ich gestern zulesen bekam wohl nicht mehr schauen wollen. Nun gut. Er wird jetzt sicherlich sagen, ich hätte ihn gezwungen…So ist der eine beim anderen “mitgehangen, mitgefangen”. Und sooo grottig war er nicht. Konnte man gucken, aber war kein Film, den ich ungefragt empfehlen würde.

  3. on 09 Mai 2006 at 23:303ich

    Nur mal kurz klugscheißen: Bratislava liegt nicht in Tschechien sondern in der Slowakei. Das wird sogar im Film mehrere Male auch genannt (sorry, das musste ich einfach mal loswerden).

    Ich hätte von dem Film mehr erwartet. Krass ist er allerdings trotzdem schon.

  4. on 17 Mai 2006 at 17:544Klassenfeind.org

    Sanjis Filmkritik: Hostel…

    Woah, ich muss erstmal klarkommen mit mir und meiner Welt. Vor gut einer Stunde fand \”Hostel\” sein Ende, den ich mir mit Jacqui im Kino ansah. Soviel gleich vorweg: Die FSK 18 sind absolut berechtigt…

    Der Film handelt von einem \”geheimen …

  5. on 29 Okt 2006 at 03:055itusia

    also hört mal alle her..
    alle die hier wirklich reinen Gewissens sagen, “..ne, der fil hatte irgendwie keine Spannung, nichts fesselndes..”, also der jenige ist sehr oberflächlich und nicht sehr intelligent, denn Tarantino hat wirklich zeigen wollen, was auf dieser Welt existiert. In unmittelbarer Nähe von uns aus in Deutschland, in der Slowakei, herrscht absoluter Ausnahmezustand, wenn es nach mir geht, Mafia, Menschenhandel, Korruoption, alles und jeder ist mit allem verknüpft. Aus alten Industriefabriken werden Menschen-Folter-Fabriken, und die Polizei deckt alles und jeden, und schaut zu.
    Wie kann man sagen, “..nichts spannendes..”
    das kann ich nicht verstehen.

  6. on 29 Okt 2006 at 11:266Hausmeister

    @Itusia:
    Zu allererst möchte ich mal dahingestellt lassen ob diese Story wirklich auf Tatsachen beruht. Ein einfaches “Based on a true story” reicht mir da nicht wirklich für aus. Gibt’s da irgendwelche Beweise, dass es ein solches Hostel in der Slowakei wirklich gegeben hat? Bitte nennen.

    Außerdem bezog sich das “spannend” auf den FILM und nicht auf die (mögliche) Tatsache, dass es sowas wirklich gibt. “Nicht spannend” heißt in diesem Sinne also nicht “Ich bin so abgehärtet, meinetwegen könnte jeder Mensch kleine Kinder zum Frühstück verspeisen”, sondern eher “Der Film war sehr vorhersehbar, es gab keine wirklichen Momente der Suspense, in denen ich aufgrund eines überraschenden Erschreckens zusammengezuckt bin.” Dass die Effekte teils ekelhaft waren – und meinetwegen auch auf reelen Begebenheiten basieren – machen einen Film noch lange nicht spannend.

    Ebenso gibt es das ein oder andere Kriegsdrama, das mich auch eher gelangweilt hat, auch wenn es letztlich “Based on a true story” war…

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