Filmkritik: “The Da Vinci Code”
Mai 20th, 2006 by Hausmeister

Was soll man über diesen Film noch sagen, über den in den vergangenen Wochen schon viel zu viel geredet wurde? Ich denke mal, dass ich mir selbst einen kurzen Abriss der Handlung hier sparen kann. Also rein gefühlt hat anscheinend die komplette westliche Welt den Roman geselen. Aber was das ganze spannender macht: selbst die, die den Roman nicht kennen, maßen sich ein Urteil darüber an. Vor allem natürlich Vertreter der Kirche, die allein schon in der im Buch beschriebenen Idee den Untergang des Abendlandes wittern…
Doch wie sagte Ian McKellen so schön auf einer Pressekonferenz in Cannes: “Da die Kirche ja anscheinend ein Problem mit Homosexualität hat, schickt der Film doch eine gute Botschaft um die Welt: ‘Jesus war nicht schwul, sondern verheiratet.’” (auch wenn sich das nicht unbedingt gegenseitig ausschließt…)
Schon vor Beginn des Filmes wusste ich, dass er dem Hyper, der um ihn gemacht wird, nicht gerecht werden kann. Vollmundig in den Medien als “Bester und erfolgreichster Film aller Zeiten” bezeichnet, blieb er doch hinter den hohen Erwartungen zurück.
Wobei ich hier auch gleich sagen muss, dass es bei diesem Film sicherlich einen gewaltigen Unterschied macht ob man das Buch kennt oder nicht. Man stelle sich vor im Kino “The Sixth Sense” zu sehen, nachdem man die Story schon gelesen hat. Da ist der Reiz weg. Ebenso ist es beim “Da Vinci Code”: war in der Romanvorlage die Analyse des “Letzten Abendmahls” wirklich ein herausragender Aha-Effekt (”Mensch! Halt mich fest! Das ist ja echt ‘ne Frau!”), so wurde diese Analyse im Film zwar wunderbar umgesetzt, viele Details wurden noch deutlicher als auf so manch ergoogeltem Bild vom Abendmahl, aber eben jener Aha-Effekt des Buches kann einfach nicht ein zweites Mal aufkommen.
Ebenso verhält es sich mit allen Wendungen der Story: “Aus Gut wird Böse?! – Wusste ich schon…”.
Für mich persönlich war gerade diese Analyse des “Letzten Abendmahls” eine Schlüsselszene des Buches, die in dem Film jedoch ziemlich untergegangen – oder für mein Empfinden nicht stark genug betont bzw. vertieft – ist.
Die Spannung des Buches bleibt auf der Strecke. Schon nach dem Lesen des Buches dachte ich, dass dieser Stoff sicherlich schwer zu verfilmen wäre, da viel Theorie, viel Geschichte und viel Erklärungen einen solchen Film ziemlich “zerreden” würden. Wer also meint eine wirklich spannende Verfolgungsjagd geboten zu kriegen, der kann sich den Weg ins Kino sparen.
Andererseits gebe ich gerne zu, dass der Film solide produziert ist. Vieles, was im Buch ausführlich erläutert ist – vor allem historische Hintergründe (”Was ist Opus Dei?”, “Wie entstand die Bibel?”) – wird im Film kurz, knapp, dennoch verständlich und in stimmungsvollen Einspielern erklärt. Alles in allem hält sich das Drehbuch eng an die Romanvorlage und vor allem Ian McKellen kann mit ein, zwei guten Sprüchen einige Sympathie-Punkte gewinnen, die er als Gandalf ja eh schon hat.
Man kann “The Da Vinci Code” auf jeden Fall gucken, aber zum “Besten Film aller Zeiten” fehlt doch eine Menge. Immerhin spielt die Hauptdarstellerin meines persönlichen “Besten Films aller Zeiten” die weibliche Hauptrolle. Auch wenn die zierliche Audrey Tautou mit ihrem mädchenhaften Gesicht in der Rolle der taffen Geheimdienst-Mitarbeiterin meiner Meinung nach eine ziemliche Fehlbesetzung ist…
Dafür mein Highlight: Jean Reno als Captain Fache, den ich während des Romans ebenso immer vor meinem geistigen Auge hatte wie lustigerweise Dan Brown, als er den Roman schrieb. Reno ist einfach die Ausgeburt des grantigen französischen Polizisten.
Eine abschließende Note zu finden, fällt mir wirklich schwer. Zwar hat mich der Film nicht wirklich mitgerissen, andererseits wüsste ich auch nicht was man hätte verbessern können. Applaus für die gute Umsetzung des Romans. Aber selbst wenn ich die Story nicht schon vorher gekannt hätte, so hätte ich mit Tom Hanks alias Robert Langdon wohl auch nicht großartig mehr mitgefiebert.
Fazit: Solide Roman-Verfilmung, die aber dem Hype nicht gerecht wird.
Bewertung:







Für mich war Tom Hanks die Idealbesetzung für Langdon! Perfekt! Genauso wie Fache.
Ansonsten kann ich Deiner Kritik Wort für Wort zustimmen!
Allein die Optik von Reno deckt sich 1:1 mit meiner Vorstellung von Fache
Hm, also ich kenne weder Buch noch Film. Ob sich das noch ändert? Keine Ahnung… Ist nicht so mein Thema irgendwie.
Ich kenne das Buch nicht, ich fands also recht undurchsichtig und spannend. War auf jeden Fall nett mit Euch … !
@Pialinchen:
Hätte auch nie gedacht, dass ich einen Krimi mit “religiösem Hintergrund” gut finden würde. Aber irgendwie fand ich diese Vorstellung reizvoll, dass es da Geheminisse gibt, deren Offenlegung eine ganze Weltreligion in Frage stellen würde.
@LuckyCherry:
Jau, ging ja schon gut beim Chinesen los. Restaurant Jasmin – da bürgt der Name für Qualität. War sehr lecker. Schade, dass Du am Mittwoch nicht dabei bist. Die Waschks kommen wieder zu zweit.
Also, ich habe heute das Buch durch und muss sagen, dass ich es nicht so toll fand wie Illuminati. Lag vielleicht daran, dass ich vorher noch nix über Tempelkrieger, Opus Dei und sowas gehört, geschweige denn gelesen o.ä. hab…
Nur eines frag ich mich die ganze Zeit: Was wird immer die MonaLisa in den Blickpunkt gesetzt? Die enthielt doch nicht mal einen Code, sondern wurde nur mit dem UV-Stift angekritzelt.
Ebenso die ach so tolle Suche nach dem “DaVinci”-Code: Der einzige im Buch erwähnte Code da Vincis ist doch das Abendmahl.
Oder habe ich nun was verpasst?
[...] Da wäre im aktuellen Kino-Jahr vielleicht Audrey Tautou zu nennen, auch wenn “The DaVinci-Code” nicht dazu angetan war, das Verlangen zu vergrößern. Zu unpassend war die Rolle der taffen Geheimagentin für dieses Grazile Franzosen-Geschöpf. [...]