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Filmkritik: Das Parfum – Die Geschichte eines Mörders

Sep 23rd, 2006 by Hausmeister

Ich komme gerade aus dem Cinestar und muss einfach meine Eindrücke des Films “Das Parfum” sofort niederschreiben – schließlich ist es für mich der bisher beste Film des Jahres.

Die Story sollte inzwischen bekannt sein, ging schließlich in den letzten Wochen genug durch die Medien. Ansonsten verweise ich auf meine Buchkritik. Und damit komme ich auch schon zu einem wichtigen Bewertungskriterium: ich habe das Buch kurz vor Filmstart gelesen, um mir die vielen Eindrücke des ersten Lesens noch mal vor Augen zu holen. Gerade die Tatsache, dass ich vieles noch sehr genau in frischester Erinnerung habe – und ich das Buch auch schon herausragend fand! – wirkt sich sicherlich positiv auf meine Note aus.

Patrick Süßkind hat es verstanden, die Welt der Gerüche und deren leidenschaftliche Sinnlichkeit in Worte zu fassen. Ich fragte mich, wie soll man das denn bitteschön in einen Film umsetzen? Mit leichten Zweifeln nahm ich im Kinosessel platz und war von der ersten bis zur letzten Sekunde gefesselt, gefesselt, gefesselt! Tom Tykwer hat es geschafft die Welt der Düfte auch im Kino erlebbar zu machen. Zwar kommt Protagonist Grenouille – ebenso wie im Buch – ohne große Worte aus, aber das was Süßkind in seinem Buch über die Gefühlswelt zu schreiben vermochte, packte der bisher unbekannte Hauptdarsteller Ben Whishaw in sein umwerfendes Mienen-Spiel. Hier kam es dem Zuschauer allerdings zugegebenermaßen zu Gute, auch die Buch-Version zu kennen, um noch tiefer in das Seelenleben Grenouilles einzutauchen. Den Verzweifelten, der daran scheitert Gerüche zu destillieren nimmt man ihm ebenso ab wie den gottgleichen und doch ebenso verzweifelten Menschen, den er am Ende verkörpert. “Snape”-Darsteller Alan Rickman überzeugt in der Rolle des treusorgenden Vaters ebenso wie Dustin Hofmann als heruntergekommener Parfumeur, dessen Schicksal von Grenouilles Können abhängt.

Viele Kritiker warfen dem Film vor, dass man die Welt der Düfte nicht nur dadurch verfilmen kann, indem man dauernd auf die Nase der Hauptdarstellers zoomt. Wer dem Film diesen Vorwurf macht, der müsste “Tage des Donners” vorwerfen, dass in jeder zweiten Szene Rennautos zu sehen sind. Diese Vorwürfe sind weit hergeholt. Vielmehr zeigt die Kamera in vielen Momenten eindrucksvolle Details, mal durch gekonnte Makro-Aufnahmen, mal durch einen sehr intimen Bildausschnitt. Hervorragende Arbeit, mehr kann ich dazu nicht sagen.

Zum Thema “Nähe zum Buch”: die erste Stunde war komplett nahe am Buch. Da ich es gerade erst letzte Woche ausgelesen habe, maße ich mir mal dieses Urteil an. Alles was “Kenner” nun vielleicht als buchferne Erfindung Tykwers aufzählen würden, fällt für mich unter “Klugscheißerei” (man möge mir dieses Wort verzeihen). Natürlich gibt es Auslassungen und natürlich gibt es Details, die im Buch nur kurz angerissen werden, im Film jedoch mehr Platz einnehmen. Die einzigen wirklichen großen Szenen, die nichts mit dem Buch zu tun haben, sind einige Verfilmungen der Morde Grenouilles. Aber auch hier muss ich zu bedenken geben, dass die Morde auch im Buch großteils nur in groben Zügen beschrieben werden (a la “…den ganzen Sommer über wurden Leichen von wunderschönen Mädchen gefunden…”). Um dem Publikum natürlich gerade dieses Morden nahe zu bringen, MUSSTE Tykwer letztlich ein wenig improvisieren. Zum Ende hin erlangt “Das Parfum” wieder die detailtreue der ersten Hälfte.

Wo wir bei Detailtreue sind: die Ausstattung des Films ist der wahre Hammer! Zum einen die Orte, die absolut authentisch wirken. Vorab habe ich gelesen, dass bei der Wahl der Komparsen Wert darauf gelegt wurde, dass sie auch “Gesichter haben wie Menschen des 18. Jahrhunderts”. Und das hat mich sehr begeistert. Viele der Menschen in Massen-Szenen sehen wirklich verhärmt aus – so, wie man es durch pures Schminken wohl nur schwerlich hinbekommen würde.

Und zu guter letzt: die Mädchen. Dass ich eine gewisse Vorliebe für rotharige Frauen habe, sieht man wohl an meiner Gattin. Auch die “wichtigen Opfer” des Mörders waren Frauen mit roten Haaren. Eine wie die andere bildbübsche Frauen. Viel erzählt wird über eine große Orgie, die – laut Kritikern – viel zu kuschelig dargestellt war (ich fand sie übrigens genau richtig: nicht zu wenig Haut, aber eben auch kein “Hardcore”). Die wahre Erotik des Films lag aber in den schönen Aufnahmen der Frauen. So sinnliche Bilder von Frauen habe ich wohl noch nie gesehen. Vielleicht ist der Trailer bekannt? Wenn da die Kamera von der sommersprossigen Schulter hautnah herabfährt in ein vom zarten Schweiß feucht benetztes Dekoltee… Es fiel schon schwer ruhig im Sessel zu sitzen. Für Momente dachte ich, dass die “Mirabellenfrau” die schönste Frau auf Erden ist.

Abschließend bleibt zu sagen: der Film ist das komplette Gegenteil von einem anderen (angeblichen) “Film des Jahres” – “Sakrileg”. Zwar war auch “The Da Vinci Code” sehr nah am Buch gedreht worden, aber irgendwie hatte der Film keinen Mehrwert. “Das Parfum” hingegen hat mir als einem Liebhaber des Buches viel gegeben.

Die Frage “Wie kann Tykwer wohl das Buch in einen Film umsetzen?” kann ich nur mit einem “Er hat es bravourös geschafft” beantworten. Ich ziehe meinen Hut. Es gab so viele Szenen, die ich mir genauso vorgestellt habe. Und ebenso viele Szenen, die durch die Kunstgriffe Tykwers noch um ein Wesentliches verfeinert wurden. Der ebenso fantastische Soundtrack hat viel zur Atmosphäre des Films beigesteuert. Er hat es wirklich geschafft eine gute Umsetzung zu schaffen. Dennoch rate ich vorab zur Lektüre des Buches. Ohne wird der Film sicherlich einiges verlieren.

Fazit: Geniale Verfilmung eines als “unverfilmbar” geltenden Klassikers.

Bewertung:

Posted in Film, Meinung, Tutti Completti

2 Responses to “Filmkritik: Das Parfum – Die Geschichte eines Mörders”

  1. on 25 Sep 2006 at 09:381der toby

    Gucke mir den morgen an und bin jetzt schon ganz kribbelig, wenn ich deine Rezension lese.

  2. on 28 Sep 2006 at 09:082Amor und Psyche

    [...] Blog-Hau.us [...]

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