Filmkritik: “Caché”
Mrz 22nd, 2007 by Hausmeister

Was passiert wenn die eigene heile kleine Welt langsam immer mehr aus ihren Fugen gerät? Wenn Selbstzweifel den eigenen Geist vergiften und das Verhältnis zum Ehepartner durch Misstrauen zerstört wird? Wenn man sich nach Jahrzehnten mit dunklen Schatten der Kindheit auseinander setzen muss? Diese Fragen beantwortet eindrucksvoll „Caché“.
Georges Laurent ist ein erfolgreicher Fernseh-Moderator einer beliebten Literatur-Diskussionsrunde, der seinen Platz im Leben gefunden zu haben scheint. Die Beziehung zu seiner Frau Anne wirkt offensichtlich glücklich und auch sein Sohn Pierrot, zwar geplagt von der Pubertät, gehört eher zu den Gewinnern, ist ein hoffnungsvolles Schwimm-Talent. Alles wirkt beschaulich und intakt – bis eines Tages Videos auftauchen, in denen die Frontseite des Laurent’schen Hauses stundenlang aufgezeichnet wurde. Ein Unbekannter scheint auf diese Weise sagen zu wollen: „Ich beobachte euch! Ich weiß wann ihr kommt und wann ihr geht!“.
Fortan plagt Georges die Frage, wer ihn auf diese Weise terrorisieren will. Fündig wird er in seiner frühen Kindheit, kann seinen Verdacht aber nicht beweisen. Um keine falschen Verdächtigungen auszusprechen, lässt er seine Frau im Unklaren, die daraufhin misstrauisch wird. Ganz langsam entgleitet Georges die Kontrolle, er ergeht sich in spekulativen Verdächtigungen, entfremdet sich von seiner Frau, lässt sich immer mehr auf die Spiele des Beobachters ein – bis eines Tages sogar seinem Vorgesetzten ein Video zugespielt wird.
Mein erster Gedanke nach dem Filmende war „Ein Stephen King in Film-Form“, ist doch der Horror-Schriftsteller aus Maine dafür bekannt, dass er das Grauen gerne in den alltäglichsten Alltag einbettet. Auch „Caché“ zieht seinen besonderen Reiz aus der Alltäglichkeit, zeigt die Hauptpersonen in langen Einstellungen, die durch ihre fehlende Perfektion schon fast Doku-Charakter haben.
Wir sehen beispielsweise Georges, wie er in einer langen Einstellung hastig einen Kaffee trinkt, nachdem zuvor ebenso ausführlich gezeigt wurde wie er sich diesen Kaffee an einem Automaten zieht – herunterpurzelndes Kleingeld inklusive. Das Leben wird in „Caché“ als das dargestellt, was es die meiste Zeit ist: ein ständiger Fluss aus Alltäglichkeiten, der ohne wirkliche Highlights, Klimax und Action-Szenen vor sich hinplätschert. Doch gerade aus dieser Alltäglichkeit und der entstehenden Verwirrung zieht der Film seine bedrückende Spannung. Hautnah begleitet die Kamera das Leben von Georges, lässt den Zuschauer ebenso unwissend wie ihn selbst.
„Caché“ ist ein durch und durch französischer Film, der seinen Sendeplatz später einmal bei ARTE finden wird. Ein Film, der nicht jedermann schmecken wird, zeigt er doch die gesamte Handlung ohne wirklich offensichtliche Spannung, Verfolgungsszenen und Shoot-Outs, sondern mit viel Unspektakulärem und noch mehr Ruhe. Doch gerade durch diesen Mix aus Alltäglichem gewinnt der Film seine sehr bedrückende Stimmung. Wer ein filmisches Kammerspiel ohne glamouröse Bombast-Effekte und Suspense erwartet, in dem die Auswirkungen der Video-Botschaften auf Familie Laurent realistisch dokumentiert werden, dem dürfte dieser Film sehr liegen. Mir stockte zumindest an einigen Stellen ganz schön der Atem.
Fazit: Ruhiges Erzählstück über Alltag und Chaos
Bewertung:






