Filmkritik: “Der letzte König von Schottland”
Mrz 27th, 2007 by Hausmeister

Gut einen Monat nachdem Forest Whitaker den Oscar für die beste männliche Hauptrolle erhalten hat, läuft nun „Der letzte König von Schottland“ auch in den deutschen Kinos. Mit etwas Verspätung kann sich nun auch das deutsche Publikum davon überzeugen, dass die Auszeichnung mit dem kleinen goldenen Kerlchen eine gute Wahl war.
Der Film gibt Einblick in das Leben des ugandischen Diktators Idi Amin, der 1971 durch einen Putsch an die Macht gekommen ist. Anstatt die Handlung komplett auf Amin zu konzentrieren, nimmt der Film den Umweg über einen fiktiven schottischen Arzt, der Amin als einen kumpelhaften und großherzigen Menschen kennen lernt und viel zu spät hinter der Fassade das wahre Gesicht des Gewaltherrschers erblickt.
Dr. Nicholas Gerrigan hat gerade sein Medizin-Studium beendet und wird von seinem Vater, einem schottischen Landarzt, schon als dessen Nachfolger gesehen. Doch bevor Kerrigan sich seinem vorbestimmten Schicksal hingibt, möchte er noch etwas von der Welt sehen. Das gute alte „Ich-drehe-den-Globus-und-fahre-da-hin-worauf-mein-Finger-zeigt“-Spiel führt ihn in das zentralafrikanische Uganda. Ohne wirkliche Informationen über das Land zu haben, heuert er dort in einer Buschklinik an, als es zur gewaltvollen Machtübernahme Idi Amins kommt.
Kurz nachdem Amin Gerrigans Dorf besucht hat, kommt es zu einem Unfall. Gerrigan muss den neuen Präsidenten verarzten und erweckt schnell dessen Aufmerksamkeit: vor Jahren hat Amin Seite an Seite mit schottischen Truppen gekämpft und hegt seitdem große Sympathien für Schottland. Kurzerhand ernennt er Kerrigan zum Leibarzt und persönlichen Berater.
Vor allem Gerrigans Offenheit gefällt Amin anfangs besonders gut. Anstatt zu kuschen kritisiert der Arzt beispielsweise, dass Amins an Epilepsie leidender Sohn separiert vom Rest der Familie aufwächst. Der Mut des jungen Mannes imponiert dem Machthaber, so dass er ihm großzügige Geschenke zukommen lässt. Gerrigan genießt sein neues Leben in Saus und Braus, lernt interessante Leute kennen und vertritt später den Herrscher sogar bei Sitzungen. Der Arzt nutzt seinen Einfluss auf den Despoten, um seinem alten Buschkrankenhaus Technik und Medikamente zur Verfügung zu stellen – dank seiner Position als Leiter des Hauptstadt-Krankenhauses kein Problem. Doch das Verschwinden von immer mehr Personen, deren Loyalität Amin anzweifelt, gibt Kerrigan zu denken – bis es zu spät ist…
Zu allererst: Forest Whitaker überzeugt auf ganzer Linie! Noch bevor sein Gesicht das erste Mal zu sehen ist, umgibt ihn eine besondere Aura der Macht, gemischt mit einer unberechenbaren Gefährlichkeit. Mit Bravour spielt er einen Machthaber, der – dank des whitaker-typischen sympatischen Lächelns – in einem Moment der beste Freund und im nächsten Moment der größte Feind sein kann. Idi Amin wird dargestellt als einfacher Mann, der mehr oder weniger durch Zufall vom Laufburschen der englischen Armee zum ugandischen Staatsoberhaupt geworden ist. Seine Gedankenwelt ist simpel aufgebaut: wer sympatisch ist wird gut behandelt, wer sich in den Weg stellt wird getötet. Whitakers Spiel passt jederzeit zu dem letztendlichen Fazit: Idi Amin war innerlich noch ein Kind, genau das hat ihn so gefährlich gemacht. Whitaker wird sich in Zukunft damit abfinden müssen, dass er immer wieder mit dieser Glanzrolle in Verbindung gebracht wird, ebenso wie Sir Ben Kingsley, der trotz vieler guter Filme (Sneakers, Schindlers Liste) doch für mich immer „Ghandi“ bleiben wird.
Doch nicht nur der Oscarpreisträger überzeugt mit seiner schauspielerischen Leistung. James McAvoy, dessen bisher größte Rolle die des Faun in „Die Chroniken von Narnia“ war, steht ihm in nichts nach. Überzeugend spielt er den blauäugigen, abenteuerlustigen Jungmediziner, der sich lieber mit Wein und Weib die Zeit vertreibt als für die tatsächlichen Probleme die Augen zu öffnen. Besonders gelungen sein Minenspiel wenn er dem großen Diktator mal wieder eine Kritik an den Latz wirft. Zuerst Unsicherheit, Angst, später dann – als er merkt, dass Amin die Kritik schätzt – Erleichterung. Daumen hoch für diese beiden Darsteller.
Auch die Dramaturgie ist mitreißend. Genießt der Zuschauer anfangs noch das exotische Politikverständnis, in dem von einem Tag auf den anderen Ministerstühle neu besetzt werden, so wird die Stimmung doch immer bedrückender. Die Wirkung Idi Amins, der vor der Weltöffentlichkeit lange Zeit als guter Landesvater dastand, erschließt sich schnell auch dem Zuschauer: anfangs wird der Herrscher als sympathischer, kumpelhafter Mann dargestellt, der dank seiner einfachen Herkunft „Mensch geblieben“ ist. Nur durch vorhandenes Vorwissen weiß man diese Freundlichkeit als falsch einzuschätzen. Dennoch wird Amin nicht wirklich als „Untier“ dargestellt, sondern wirkt in weiten Teilen wie ein Opfer der Umstände, das mit der entstandenen Situation einfach überfordert ist. Ausschlaggebend für viele seiner Greueltaten scheint die Angst vor den Anhängern seines Amts-Vorgängers zu sein, die ihm nachweislich nach dem Leben trachten.
Besonderen Eindruck hinterlassen die Bilder während des Abspanns, die den echten Idi Amin zeigen. Zum einen wird hier die Mischung aus vorgespielter Freundlichkeit und echter Angst und Unsicherheit real. Zum anderen zeigt der direkte Vergleich mit der gespielten Mimik Whitakers wie sehr dieser den Oscar verdient hat.
Fazit: spannendes Drama, das Einblick in das Leben eines grausamen Diktators gibt.
Bewertung:






