Filmkritik: “Sunshine”
Apr 23rd, 2007 by Hausmeister

Der Sonne geht die Puste aus, sie verliert immer mehr Energie. Um sie wieder in Gang zu bringen steuern acht Astronauten einen gigantischen Hitzeschild mit einer noch gigantischeren Atombombe zu unserem Stern. Doch sie sind nicht die ersten…
Vor sieben Jahren gab es bereits eine erste Mission, um den ewigen Winter auf der Erde zu beenden. Das SOS-Signal des ersten Raumschiffs empfängt Crew Zwei im Funkloch: durch die starke Sonnenstrahlung ist kein Funkkontakt zur Erde mehr möglich. “Mission unbeirrt durchführen?”, “Erstes Raumschiff ansteuern?” oder “Warum hat die erste Mission eigentlich versagt?” – alles Fragen, die nur Crew allein beantworten kann.
Anfangs war ich recht skeptisch. Zwar gehört Danny Boyle zu meinen absoluten Lieblingsregisseuren (”Trainspotting”, “Kleine Morde unter Freunden”), aber nachdem in den ersten Filmminuten sowohl eine angenehme Computerstimme (”2001″) zu hören als auch ein Holodeck (”Star Trek”) zu sehen war, dachte ich schon, hier folge ein Sci-Fi-Mashup, das alte Ideen nur neu aufbrüht. Doch schnell wurde ich eines besseren belehrt.
“Sunshine” unterscheidet sich immens von Hollywood-Werken wie etwa “Armageddon” oder “The Day After Tomorrow”. Allein die Tatsache, dass der Film auf jegliche Horror-Szenarios von der frierenden Erde verzichtet, hebt ihn schon aus der Masse hervor. Ebenso positiv fällt der weitgehende Verzicht auf blutige Special-Effects und Action-Sequenzen auf.
Boyle legt den Fokus vielmehr gekonnt auf die Psychologie, auf das ausgeklügelte Beziehungssystem der Astronauten untereinander. Weite Teile der ersten Filmhälfte hätten auch gut als Kammerspiel inszeniert werden können, stehen doch die Dialoge stark im Mittelpunkt. Die zweite Hälfte wird zwar handlungslastiger, wirkt aber nicht abgehoben, sondern – sofern es im Feld Science-Fiction überhaupt sein kann – realistisch und “folgerichtig”.
Im Gegensatz zu vielen anderen Filmen des Genres wird der Zuschauer schon sehr gefordert: manche Ereignisse erschließen sich dem Betrachter erst später, technische Details bleiben zeitweise unerklärt, lange Einstellungen mit Sprechpausen und ruhiger, sphärischer Musik nehmen dem Film angenehmerweise das sonst übliche hektische Tempo. Schon sehr “englisch” der Film. Besonders schön ist auch der Soundtrack mit einigen Stücken von Underworld, die als musikalische Untermalung für Autogenes Training dienen könnten
Doch auch wenn die Handlung mehr Tiefgang hat als in anderen Science-Fiction-Filmen: der eigentliche Hauptdarsteller ist die Sonne – “Sunshine” eben. Boyle zaubert viele fantastische Bilder auf die Leinwand, die uns die Schönheit unseres Sterns vor Augen führen. Mal anmutig, mal zerstörerisch, denn die Energie der Lichtstrahlen wird ebenso perfekt eingefangen. Objekte, die für Sekundenbruchteile den Hitzeschild verlassen, verpuffen zu einer Gaswolke. 30.000°C machen’s möglich.
Alles in allem ein sehenswerter Film, der für meinen Teil seine Höhepunkte in der ersten Hälfte hat, in der zweiten Hälfte aber nicht wirklich abflacht..
Fazit: Science-Fiction mal englisch – well done, Mr. Boyle
Bewertung:







ich find den film auch klasse. mein tipp!